| Christina Hohmann-Jeddi |
| 09.02.2026 09:00 Uhr |
Wie stark der Mikronährstoffstatus durch eine GLP-1-RA-Therapie beeinträchtigt wird, zeigt ein Literaturreview, den ein Autorenteam um Jorge Urbina von der Universität Guadalajara in Mexiko vor Kurzem im Fachjournal »Clinical Obesity« veröffentlichte. In diesen Review wurden sechs Studien mit insgesamt 480.825 erwachsenen Teilnehmenden aufgenommen. Vitamin-D-Mangel war die häufigste Anomalie; er trat bei 7,5 Prozent der Behandelten nach sechs Monaten und bei 13,6 Prozent nach zwölf Monaten auf. Auch Eisenmangel war häufig: So wiesen GLP-1-RA-Anwender um 26 bis 30 Prozent niedrigere Ferritinwerte auf als die Vergleichsgruppe, die SGLT2-Hemmer einnahm.
Mehr als 60 Prozent der Patienten unter GLP-1-RA-Therapie nahmen weniger als die empfohlene Menge an Calcium und Eisen zu sich, berichtet das Team um Urbina. Protein- und Calciummangel trugen demnach zum Verlust an fettfreier Masse bei. Auch ein Thiamin- und Cobalaminmangel, der unter der Therapie zunahm, wurde beobachtet.
Das Fazit der Autoren: »Die GLP-1RA-Therapie ist mit erheblichen Nährstoffmängeln verbunden. Eine gezielte Ernährungsberatung und individuelle Laboruntersuchungen können für Patienten mit erhöhtem Risiko für Mangelernährung sinnvoll sein.«
In Deutschland ist die Verordnung der Präparate in der Indikation Adipositas »ergänzend zu einer kalorienreduzierten Ernährung und verstärkter körperlicher Aktivität« vorgesehen. Inwieweit die Patienten unter der Therapie diätetisch beraten werden und ob die Beratung, wenn sie erfolgt, nicht nur auf kalorienreduzierende Maßnahmen, sondern auch auf die Versorgung mit essenziellen Nährstoffen abzielt, ist unklar.
Zudem liegen bisher wenig strukturierte Ernährungsempfehlungen für diese Patienten vor, wie eine aktuelle Publikation in »Obesity Reviews« zeigt. Vor Nährstoffmangel schützt in der Regel eine ausgewogene Ernährung etwa mit Milchprodukten, Obst und Gemüse, Vollkornprodukten, Samen und Nüssen.
Ein noch wenig bachteter Aspekt ist, dass GLP-1-RA nicht nur den Appetit reduzieren, sondern offenbar auch den Durst. In Untersuchungen mit Ratten konnte gezeigt werden, dass drei verschiedene GLP-1-RA die Wasseraufnahme – unabhängig von der Nahrungsaufnahme – senken. Zwischenzeitlich wurde sogar der GLP-1-RA Dulaglutid für die Behandlung von primärer Polydipsie (gesteigerter Flüssigkeitskonsum) untersucht.
Gerade bei älteren Anwendern könnte die Unterdrückung des Durstgefühls zu einer Dehydratation führen, weshalb eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme unter einer GLP-1-RA-Therapie wichtig ist.