| Ev Tebroke |
| 05.02.2026 15:00 Uhr |
Auf Kundenfang mit Rabattaktionen: Das Verbrauchermagazin »Markt« hat die Leistungen von Versendern wie Doc Morris getestet. / © PZ/Screenshot
Zwar können die Versender im OTC-Bereich teils deutlich günstigere Preisen bieten. Bei der pharmazeutischen Beratung stellt der NDR-»Markt«-Check den Versendern aber ein schlechtes Zeugnis aus. So blieb die Anfrage nach einer Videoberatung bei Doc Morris erfolglos. Und auch bei der Shop Apotheke bekam der Autor erst nach längerer Wartezeit die gewünschte Hilfe.
Für den Test hat »Markt« drei Präparate gekauft: Ein Schmerzgel (Voltaren Schmerzgel forte 150g), ein Mittel gegen Übelkeit (Vomex A Dragees 20 Stück) und ein Mittel gegen Magenbeschwerden (Iberogast Classic 20 ml). Online war der Warenkorb insgesamt 15,18 Euro günstiger als in der Apotheke vor Ort, im Beitrag die Elefanten-Apotheke in Hamburg-Bergedorf.
Auf die Preisdifferenz angesprochen sagt Apothekeninhaberin Barbara Gröbner: »Wir haben hier eine ganze Apotheke voller Fachkräfte und bieten eben auch qualifizierte Jobs vor Ort.« Die Personalkosten fallen also bei der Preisgestaltung deutlich ins Gewicht.
Darauf weist auch der NDR-Beitrag mit Blick auf die wachsende Zahl der Apothekenschließungen hin: Die Apotheken stünden unter hohem Kostendruck – nicht zuletzt auch aufgrund hoher Personalkosten. Hier seien Versender im Vorteil: Während diese simultan mehrere Kundinnen und Kunden bedienen könnten, sei es in der Vor-Ort-Apotheke immer ein einzelner Kundenkontakt.
Auch nutzen Versender bei der Preisgestaltung ihre Spielräume gezielt aus und gehen mit Rabattaktionen auf Kundenfang. Während sich im Beitrag eine jüngere Passantin für den Kauf bei den Versendern ausspricht, geben andere, vor allem ältere Befragte an, sich lieber vor Ort beraten zu lassen.
Und gerade beim Thema Beratung schneiden die Versender im Markttest schlecht ab. Der Versuch, bei Doc Morris eine Videoberatung zu bekommen, blieb auch nach einer halben Stunde erfolglos: »Momentan ist leider kein Berater verfügbar«, so der Hinweis für die Kundschaft. Und auch im Chatbereich der beiden Versender bekam der Tester nicht die gewünschte Hilfe. Erst nach sieben Minuten Wartezeit erreichte der Autor bei Shop Apotheke eine Beraterin.
Online muss der Kunde sich aktiv um eine Beratung kümmern. OTC-Produkte könnten in der Regel ohne vorherige Information oder Beratung gekauft werden, stellt »Markt« fest. Viele Kunden scrollen sich demnach nicht durch den gesamten Beilagentext, um sich über eventuelle Probleme bei der Anwendung des Medikaments zu informieren. »Ich würde den Beipackzettel nicht durchlesen«, sagt auch eine Befragte im Beitrag.
Man bekomme zwar bei den Versendern immer ein Beratungsangebot. Aber es sei sehr leicht, es nicht zu nutzen, konstatiert Apothekerin Gröbner. »Bei uns in der Apotheke wird hingegen bei jedem Präparatewunsch nachgefragt:>Wofür brauchen Sie das Präparat? Ist das für Sie? Ist das für einen Angehörigen?<«