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»Wildwest-Atmosphäre«
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Behördenversagen bei illegaler Gesundheitswerbung

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch hat aufgedeckt, dass Behörden irreführende Werbung mit Gesundheitsversprechen so gut wie nicht kontrollieren. Dabei geht es auch um angebliche Mittel gegen Krebs, Depressionen, Stress oder die Corona-Impfung.
AutorKontaktMelanie Höhn
Datum 12.03.2026  17:30 Uhr

Instagram-Werbung fast immer irreführend

Da die Behörden meist erst nach externen Hinweisen tätig werden würden, hat Foodwatch eigene Recherchen durchgeführt. Die Organisation habe die Instagram-Beiträge (Stories und Posts) von 189 Fitness- und Gesundheits-Influencerinnen und -Influencern über einen Zeitraum von 23 Tagen im Januar 2026 analysiert. 101 von ihnen hätten demnach in 560 Fällen Lebens- und Nahrungsergänzungsmittel mit konkreten Gesundheitsversprechen beworben.

Foodwatch habe überprüft, ob diese Aussagen den rechtlichen Vorgaben entsprechen. Maßgeblich sei hier vor allem die europäische Health-Claims-Verordnung (HCVO), die Verbraucher vor irreführender Gesundheitswerbung schützen soll.

Das Ergebnis der Foodwatch-Auswertung: In 550 Fällen waren die Health Claims aus Sicht der Organisation unzulässig, zehn seien zulässig gewesen. Damit würden 98,2 Prozent der getätigten Gesundheitsversprechen gegen die HCVO beziehungsweise die Lebensmittelinformationsverordnung verstoßen. Foodwatch habe diese rechtswidrige Gesundheitswerbung den zuständigen Überwachungsbehörden gemeldet.

Nahrungsergänzungsmittel gegen Krebs oder die Corona-Impfung

»Es kann nicht sein, dass Verbraucher:innen auf Social Media systematisch mit irreführender Gesundheitswerbung getäuscht werden, während die zuständigen Stellen überlastet oder technisch abgehängt sind«, kritisierte Rebekka Siegmann. »Wenn die Behörden bei der Überwachung versagen, liefert Foodwatch ihnen die Verstöße frei Haus – nun müssen sie der irreführenden Gesundheitswerbung einen Riegel vorschieben.«

Werbung für Nahrungsergänzungsmittel mit irreführenden Versprechen sei nicht nur ein teures Ärgernis für Verbraucher, sondern »berge auch handfeste Gesundheitsgefahren – von Überdosierung bis hin zu potenziell gesundheitsgefährdenden Inhaltsstoffen oder der Wechselwirkung mit Medikamenten«. 

Laut Verbraucherzentralen nimmt auch der Betrug durch KI-Deepfake-Videos von Prominenten immer mehr zu. Dabei geht es auch um Werbung für angebliche Medikamente gegen Diabetes, Schwerhörigkeit, Rücken- und Gedächtnisprobleme oder Prostatabeschwerden. Die PZ berichtete.

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