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»Wildwest-Atmosphäre«
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Behördenversagen bei illegaler Gesundheitswerbung

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch hat aufgedeckt, dass Behörden irreführende Werbung mit Gesundheitsversprechen so gut wie nicht kontrollieren. Dabei geht es auch um angebliche Mittel gegen Krebs, Depressionen, Stress oder die Corona-Impfung.
AutorKontaktMelanie Höhn
Datum 12.03.2026  17:30 Uhr
Behördenversagen bei illegaler Gesundheitswerbung

Schon länger ist Gesundheitswerbung auf Social Media, insbesondere für Nahrungsergänzungsmittel (NEM), ein Problem. Die PZ berichtete bereits. Eine aktuelle Recherche von Foodwatch zeigt nun, dass kaum Kontrollen seitens der Lebensmittelüberwachungsbehörden dahingehend stattfinden.

»Bei der Werbung für Nahrungsergänzungsmittel herrscht in den sozialen Medien Wildwest-Atmosphäre – doch der Sheriff schaut weg«, erklärte Rebekka Siegmann von Foodwatch. »Bund und Länder müssen die Lebensmittelüberwachung endlich so ausstatten, dass sie auch im digitalen Raum wirksam kontrollieren kann.«

Foodwatch sieht das Hauptproblem bei der kommunal organisierten Lebensmittelüberwachung in Deutschland: Die Überwachungsämter litten ohnehin schon unter Personalmangel und kämen kaum hinterher, Hygienevorschriften in Restaurants zu kontrollieren – bei der Überprüfung der Werbung in sozialen Medien stießen sie endgültig an ihre Grenzen. Die Kontrolle des Online-Markts müsse auf Bundesebene gebündelt und die Überwachung ausreichend personell und finanziell ausgestattet werden, forderte die Organisation.

»Haarsträubende Gesundheitsversprechen«

Aus Sicht von Foodwatch würden Influencer zum Teil »haarsträubende Gesundheitsversprechen« machen: Sie bewerben etwa Mittel gegen Krebs, Depressionen, Stress, Entzündungen und sogar gegen die Corona-Impfung. Letztere seien beispielsweise Kapseln mit dem Namen »Spikx Remove« und dem Versprechen, die Impfung aus dem Körper zu »bekommen«, hieß es in einer Mitteilung der Organisation.

Foodwatch hat die rund 400 Überwachungsämter in Deutschland in den Jahren 2024 und 2025 zu dieser Problematik befragt und 309 Antworten von Behörden erhalten. Das Ergebnis: Mehr als 90 Prozent gaben an, Werbung in sozialen Medien nicht routinemäßig zu kontrollieren. 

Davon erklärten 80 Ämter, dass sie nur anlassbezogen kontrollieren – etwa nach Hinweisen oder Bürgerbeschwerden. Eine systematische Überwachung finde nicht statt. Der Main-Taunus-Kreis merkte an, man könne »auf Grund der personellen Gegebenheiten« nicht aktiv werden. Der Landkreis Cloppenburg teilte mit, das Amt habe »bislang keinen Zugang zu Social Media«.

Für das Jahr 2025 gaben die Behörden an, insgesamt lediglich 30 Werbeaussagen mit Gesundheitsbezug geprüft zu haben. 17 davon stuften sie als unzulässig ein. Mehrere Behörden teilten mit, entsprechende Zahlen nicht zu erheben.

Die Stadt Karlsruhe stellte laut Foodwatch eine der wenigen Ausnahmen dar: Dort sei im vergangenen Jahr ein halber Stellenanteil für den Bereich Onlinehandel geschaffen worden. Nach eigenen Angaben prüfe die Behörde alle ihr möglichen Kanäle, auch Instagram, wenig TikTok, allerdings »in der Regel nur bei Gewerbeanmeldung« und ohne »vollumfängliche Sichtung«. 

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