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Vorwurf der Patentverletzung
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Bayer verklagt Impfstoffhersteller

Weil sie mit ihren mRNA-Vakzinen Patente verletzt haben sollen, hat der Leverkusener Agrar- und Pharmakonzern Bayer die Corona-Impfstoffhersteller Biontech, Pfizer und Moderna verklagt. Im Fokus steht eine ältere Technologie der Bayer-Tochter Monsanto.
AutorKontaktCornelia Dölger
Datum 08.01.2026  14:00 Uhr

Eine entsprechende Klage sei bei einem Bundesgericht im US-Bundesstaat Delaware eingegangen, wie ein Bayer-Sprecher laut mehreren Medienberichten bestätigte. Bayer wirft den Unternehmen demnach vor, eine Technologie kopiert zu haben, die die Bayer-Tochter Monsanto bereits in den 1980er-Jahren ​zum Patent angemeldet hatte. Dabei soll es sich um ein Verfahren zur mRNA-Stabilisierung handeln, das Monsanto für die Entwicklung widerstandsfähiger Nutzpflanzen einsetzte.

Eben diese Methoden hätten die Impfstoffhersteller für ihre Corona-Vakzine übernommen, so der Vorwurf aus Leverkusen. Bayer hatte während der Pandemie erfolglos versucht, gemeinsam mit Curevac einen Covid-Impfstoff auf den Markt zu bringen; ein Tandem wie Biontech/Pfizer konnten Bayer und Curevac am Ende nicht kopieren.

Die Klage gegen Pfizer und Biontech konzentriert sich laut »Handelsblatt« auf den gemeinsam entwickelten Impfstoff. Die Klage gegen Moderna geht demnach über den Corona-Impfstoff hinaus und umfasst auch dessen Grippeimpfstoffkandidaten und den Impfstoff zur Behandlung eines Atemwegsvirus.

Eine ähnliche Klage reichte Bayer gegen den US-Konzern Johnson & Johnson bei einem Bundesgericht in New Jersey ein. Bayer fordert demnach Schadensersatz in nicht genannter Höhe, strebt aber kein Verkaufsverbot für die Impfstoffe an.

Klage könnte sich allein wegen der Lizenzgebühren lohnen

Experten sind überrascht vom Zeitpunkt der Klage. Patentstreitigkeiten seien eher Regel als Ausnahme. Diese komme aber spät, so etwa Markus Manns, Portfoliomanager bei Union Investment, zum »Handelsblatt«. Lohnen könnte sich die Klage für Bayer wegen der möglicherweise fälligen Lizenzgebühren demnach trotzdem.

Hintergrund ist, dass Patentklagen oft zu Verhandlungen über Lizenzgebühren führen. Bei einem Vergleich zahlt der Verletzer rückwirkend Lizenzgebühren oder schließt einen Lizenzvertrag ab. Laut »Handelsblatt« wird bei Patentverletzungen im Durchschnitt mit Lizenzgebühren von einem bis drei Prozent auf die vergangenen Umsätze gerechnet – angesichts der astronomischen Umsätze der Impfstoffhersteller ein stattlicher Posten. Pfizer und Biontech erreichten 2024 mit ihrem Impfstoff Comirnaty einen weltweiten Umsatz von mehr als 3,3 Milliarden Dollar. Moderna erlöste mit Spikevax 3,2 Milliarden Dollar.

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