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Früherkennung
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Bald kommt das Screening auf Lungenkrebs

Schon lange ist es in der Diskussion, jetzt soll es auch wirklich kommen: das Lungenkrebsscreening. Die Früherkennungsuntersuchung soll risikobasiert erfolgen und helfen, die Sterblichkeit bei dieser tödlichen Krebsform zu senken.
AutorKontaktChristina Hohmann-Jeddi
Datum 04.04.2024  18:00 Uhr

Definition der Risikopopulation ist entscheidend

Ein wichtiger Faktor beim Aufbau des Früherkennungsprogramms wird auch die Definition der Risikopopulation sein, die getestet werden soll. Darauf ging Dr. Martin Kimmich vom RBK Lungenzentrum Stuttgart näher ein. Denn neben Alter und Rauchen gibt es weitere Risikofaktoren, vor allem genetische, aber auch exogene wie Luftverschmutzung oder Passivrauchexposition, die Lungenkrebsentstehung begünstigen. So haben einer schwedischen Studie zufolge Personen mit einem erstgradigen Verwandten mit Lungenkrebs ein doppelt so hohes Risiko, selbst zu erkranken, wie Menschen ohne erkrankte Angehörige.

»Bei etwa 6 Prozent der Lungenkrebsfälle liegen Keimbahnmutationen vor«, berichtete Kimmich. Dennoch gebe es für Lungenkrebs bislang keine Empfehlung für eine Gendiagnostik. Relevant seien hier etwa BRCA1/2, ATM, TP53 und EGFR. Während die ersten drei pathogenen Keimbahnvarianten das Krebsrisiko insgesamt erhöhen, steigert EGFR speziell das Lungenkrebsrisiko. Träger einer speziellen EGFR-Variante, die autosomal dominant vererbt wird, hätten ein Lebenszeitrisiko für Lungenkarzinome von etwa 40 Prozent, berichtete Kimmich. Gerade in Ostasien, vor allem in China, sind solche Varianten stark verbreitet.

Sein Fazit: »Rauchen und Alter als alleinige Kriterien zur Definition einer Risikopopulation für Lungenkrebs-Früherkennungsprogramme greifen zu kurz.« Seiner Einschätzung nach sollte eine bestimmte ethnische Abstammung, ein Ersterkrankungsalter unter 50 Jahren und eine positive Familienanamnese Anlass zu einer humangenetischen Diagnostik sein. Das Screening sollte eventuell auch auf Personen mit hohem familiären Risiko ausgeweitet werden.

Professor Dr. Hans Hoffmann vom Klinikum rechts der Isar in München ergänzte: »Die Einschlusskriterien müssen noch weiterentwickelt und für mehr als Alter plus Rauchen geöffnet werden.« Mit den derzeit geplanten Einschlusskriterien könnten nur die Hälfte aller Lungentumoren in Deutschland im Screening gefunden werden.

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