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»Expertenkreis« um Seyfarth
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Automaten und Cannabisverkauf als Alternativen zur Apothekenreform 

Die Kritik am Referentenentwurf zum geplanten Apotheken-Reformgesetz (Apo-RG) reißt nicht ab. Eine Gruppe um Holger Seyfarth, Vorsitzender des Hessischen Apothekerverbands, hat jetzt eine eigene Stellungnahme abgegeben – mit weitreichenden Vorschlägen.
AutorKontaktLukas Brockfeld
Datum 02.07.2024  18:56 Uhr

Sofortprogramm für Apotheken 

Im Positionspapier wird auch hervorgehoben, dass die Vor-Ort-Apotheken mehr finanzielle Planbarkeit und Sicherheit brauchen. Mit einer Korrektur des Skontourteil des Bundesgerichtshofes (BGH) dürfe nicht bis zum Inkrafttreten des ApoRG gewartet werden. Die ab 2027 geplante Verhandlungslösung zum Apothekenhonorar brauche einen Ordnungsrahmens mit festen Kriterien, um der unterschiedlichen Wirkmacht der Beteiligten Rechnung zu tragen. 

Die Verfasserinnen und Verfasser der Stellungnahme wünschen sich auch für die Zukunft eine streng regulierte Apothekenlandschaft um die kaufmännischen Risiken der Betreiber zu minimieren. Eine Liberalisierung böte zwar auch Chancen, könnte aber zu einem grundlegenden Systemwandel hin zu einem durch Kapitalgesellschaften und Fremdbesitz bestimmten Apothekenwesens führen. Das müsse noch diskutiert werden.

In der Stellungnahme wird klargestellt, dass sich die Apotheken unter unmittelbarem wirtschaftlichen Druck befinden. Auch der Faktor Zeit und die Erschöpfung der personellen Ressourcen sei ein erhebliches Problem. Daher wird ein Sofortprogramm vorgeschlagen.  Dieses soll unter anderem eine Anpassung der Rx-Fixkomponente um 1,20 Euro (netto) je Fertigarzneimittelpackung spätestens ab Anfang 2025 und eine Wiederzulassung der Skonti umfassen. Außerdem wünscht man sich die Etablierung eines Sicherstellungsfonds für unterversorgte Regionen (Startvolumen etwa 100 Millionen Euro) und ein Programm zur Entbürokratisierung. 

Autoren der Stellungnahme sind neben Seyfarth Prof. Dr. Reinhard Herzog, Hochschullehrer und Lehrbeauftragter an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen, Prof. Dr. David Matusiewicz, Dekan und Direktor an der Hochschule für Ökonomie & Management, Essen, Ulrich Ströh, Apotheker in Rente und Mitglied der Kammerversammlung Schleswig-Holstein, Apotheker Björn Kersting, Ex-Avie- und Ex-Linda-Manager Dominik Klahn sowie dessen Frau, die Juristin Daniela Klahn, die früher DocMorris beraten hat.

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