Juckende Quaddeln, als ob man in Brennnesseln gefallen wäre, sind Markenzeichen der Urtikaria. / © Getty Images/Eik Scott
Bei der Nesselsucht ist der Name Programm: »Sie können es sich so vorstellen, als ob Sie in Brennnesseln landen«, sagt Sonja Lämmel vom Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB). Auch der medizinische Fachbegriff Urtikaria ist abgeleitet vom lateinischen »urtica«, der Nessel. Die Nesselsucht zählt zu den häufigen Hauterkrankungen. Nach Angaben des DAAB hat jeder Vierte so einen Hautausschlag schon einmal erlebt.
Bei der Urtikaria rötet sich die Haut plötzlich, und bald sind blassrote bis rote Erhebungen zu sehen, sogenannte Quaddeln. Diese können klein wie ein Stecknadelkopf sein oder so groß wie eine Handfläche. Die betroffene Haut spannt und brennt. Das Schlimmste, sagen Betroffene, ist aber der Juckreiz.
»Die Quaddeln halten maximal 48 Stunden an, verschwinden dann und können an einer anderen Stelle wieder auftreten«, sagt Dr. Ulrich Ohnemus, Mitglied im Berufsverband der Deutschen Dermatologen. »Manchmal ist es ein einmaliges Geschehen, manchmal kann die Urtikaria über eine längere Zeit immer wiederkommen.«
Auch ein sogenanntes Angioödem kann auftreten. Das sind starke Schwellungen im Unterhautbereich, zum Beispiel an Fußsohlen, Handflächen oder auch im Gesicht. Hält die Quaddelbildung länger als sechs Wochen an, spricht man von einer chronischen Nesselsucht. »Alles, was darunter liegt, ist eine akute Urtikaria«, so der Dermatologe.
Insgesamt gibt es ganz unterschiedliche Auslöser. Das kann ein vorhergehender Infekt sein oder die Einnahme von Medikamenten, etwa Schmerzmittel wie ASS oder Ibuprofen. »Es gibt auch Formen der Nesselsucht, die durch ACE-Hemmer gefördert werden«, sagt Hautarzt Ulrich Ohnemus. Eine Nesselsucht kann zudem entstehen, wenn sich das körpereigene Immunsystem gegen sich selbst richtet. »Man vermutet, dass bestimmte Formen der chronischen Urtikaria durch solch eine Autoimmunreaktion hervorgerufen werden«, sagt der Dermatologe. Ebenso sind hormonelle Auslöser möglich.
Daneben gibt es auch sogenannte physikalische Auslöser. Das können Kälte, Wärme, UV-Strahlung oder auch Druck sein. »Letzteres ist besonders unangenehm an den Fußsohlen. Menschen werden dann, wenn sie viel laufen, von Schwellungen gequält«, sagt Ohnemus. Auch wenn ein Kleidungsstück scheuert, kann das Quaddeln und Juckreiz auslösen.
Bei entsprechend veranlagten Personen können zudem Stress oder psychische Belastungen eine Urtikaria bewirken. Und: Wenn jemand Asthma, Heuschnupfen und/oder Neurodermitis hat, ist er genetisch veranlagt, zusätzlich eine Urtikaria zu entwickeln.
Der Knackpunkt ist: Ganz oft weiß man nicht, was genau hinter der Nesselsucht steckt. Sonja Lämmel rät daher, eine Art Tagebuch zu führen. »Wann kommen meine Schübe? Vielleicht immer dann, wenn ich am Strand spazieren gehe und mit Sonne in Kontakt komme? Wenn ich aus der Sauna komme oder im See baden war?«, sagt die DAAB-Expertin. Auf diese Weise lässt sich vielleicht ein Auslöser finden, den man dann gezielt versuchen kann, zu meiden.
Tritt eine Nesselsucht das erste Mal auf, ist sie ein schockierendes Erlebnis. »Wenn Sie auf einmal von oben bis unten einen Ausschlag bekommen, der juckt, dann werden Sie von sich aus zum Arzt gehen«, sagt Sonja Lämmel. Anlaufstellen sind Haus- oder Hautarztpraxis. Gesellen sich zum Hautausschlag Atemnot und Kreislaufprobleme, sollte man in die Notaufnahme gehen. Das sind Anzeichen für eine lebensbedrohliche allergische Reaktion.