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Richtig entschieden

Datum 16.09.2015  08:37 Uhr

Zum Glück, das Ende naht. Nach rund sechs Jahren geht der Streit zwischen dem Deutschen Apothekerverband (DAV) und dem Spitzen­verband der Gesetzlichen Krankenversicherung über Nullretaxierungen in die hoffentlich letzte Runde. Apotheker und Krankenkassen sehen keine Möglichkeit mehr, sich zu einigen. Als letzten Ausweg hat nun der Deutsche Apothekerverband die Schiedsstelle angerufen. Jetzt muss der ehemalige Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses, Rainer Hess, eine Lösung finden (lesen Sie dazu Rahmenvertrag: Gespräche über Nullretax scheitern).

 

Dass es so weit kommen musste, ist nur schwer nachvollziehbar, geht es doch um einen Sachverhalt, der mit gesundem Menschenverstand betrach­tet nur eine Lösung haben kann: Wenn Apotheker ihre Patienten ordnungsgemäß versorgen, dann kann ein kleiner Formfehler Kranken­kassen nicht dazu berechtigen, das Honorar für die erbrachte Dienst­leistung komplett zu verweigern.

 

Das erscheint plausibel. Im Gesundheitswesen geht es aber offensichtlich nicht immer um gesun­den Menschenverstand. Die Kranken­kassen retaxierten fröhlich weiter. Politiker zeigten sich kurzfristig ent­rüstet, wenn sie von Apothekern auf die willkürlichen Retaxierungen der Krankenkassen angesprochen wurden. Auch die Richter beim Bundes­verfassungs- und dem Bundessozialgericht mochten die Praxis der Kranken­kassen nicht stoppen. Es besteht kein Zweifel, dass die Gerichte korrekt entschieden haben. Befremdlich ist es aber dennoch, dass Apotheken den Krankenkassen wegen eines winzigen Fehlers auf dem Rezept Arzneimittel im Wert von Tausenden Euro kosten­los überlassen mussten.

 

Es ist gut, dass der DAV nun endgültig die Reißleine zieht und die Schiedsstelle anruft. Die Entscheidung ist richtig. Selbst unverbesserliche Optimisten können nicht mehr ernsthaft an eine einvernehmliche Lösung mit den Krankenkassen glauben. Natürlich hätte der DAV noch ein paar Monate warten können. Genützt hätte es nichts. Wären die Kranken­kassen an einer Lösung interessiert, dann hätten sie dafür viele Jahre Zeit gehabt. Im Prinzip können die Apotheker bei der Schiedsstelle nur gewinnen. Noch absurder als die aktuellle Retax-Praxis kann es nicht werden. Das bedeutet aber leider nicht zwingend, dass der Schiedsspruch für die Apotheker wirklich gut wird.

Daniel Rücker

Chefredakteur

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