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Asthma-Therapie

Kein »One Size fits All«

Datum 24.01.2017  14:12 Uhr

Die nationale Versorgungs-Leitlinie Asthma wird zurzeit über­arbeitet. Die bereits 2016 aktualisierten Richtlinien der Global Initiative for Asthma (GINA) zeigen, wie die Asthma-Therapie in Zukunft vermutlich aussehen wird. Professor Dr. Michael Schmidt von der Universität Würzburg stellte Definitionen und Therapie-Empfehlungen vor.

Die in den GINA-Richtlinien enthaltene neue Definition des Asthma bronchiale sei relativ offen gehalten, berichtete Schmidt. Dies solle vor allem der Hetero­genität der Erkrankung Rechnung tragen. Zwar gibt es typische Asthma-Beschwerden wie pfeifende Atemgeräusche, Kurzatmigkeit, Thorax­enge und Husten mit gleichzeitiger Flusslimitierung der Atemwege. Allerdings seien diese Symptome sehr vari­abel, sowohl was ihr Auftreten, ihre Häufigkeit und Schwere angeht. »Eine moderne Asthma-Therapie muss daher individuell auf jeden einzelnen Patienten zugeschnitten werden«, betonte der Internist. Ein fixes Therapieschema nach dem Motto »One Size fits All« sei nicht sinnvoll.

 

Zu Beginn vier Fragen

 

Vor Therapiebeginn müsse der Arzt das Beschwerdebild zunächst einstufen, so Schmidt. Wichtigste Kenngröße sei die Symptomkontrolle in den vergangenen vier Wochen. Um diese einzuschätzen, genügten vier Fragen an den Patienten: Leiden Sie tagsüber mehr als zweimal pro Woche unter Symptomen? Hat Sie das Asthma nachts aufgeweckt? Benötigen Sie die Bedarfsmedikation mehr als zweimal wöchentlich? Schränkt das Asthma Sie in Ihrer körperlichen Belastbarkeit ein? Beantworte der Patient alle Fragen mit »Nein«, gelte das Asthma als gut kontrolliert, bei ein bis zwei Ja-Antworten als teilweise kontrolliert und bei drei bis vier als unkontrolliert, so Schmidt.

 

Neben einer guten Symptomkon­trolle sei das Ziel der Asthma-Behandlung, Risiken für Anfälle und Exazerbationen auszuschalten. So seien Anfälle oder Exazerbationen unter anderem zu erwarten bei schlechter Inhala­tionstechnik, geringer Adhärenz, einer niedrigen Einsekundenkapazität (FEV1) unter 60 Prozent des Sollwerts, bei Rauchern oder während einer Schwangerschaft.

 

Zu Beginn der Therapie bei Erwachsenen sollte sich der Patient auf einer mittleren Therapiestufe – Stufe 2 oder 3 des fünfstufigen Therapieplans – befinden. »Der Arzt sollte dann den Erfolg abwarten und die Dosierung beziehungsweise die Wirkstoffe entsprechend anpassen«, sagte Schmidt. Außerdem sollte der Patient das Rauchen einstellen und spezifische Aus­löser von Anfällen meiden. Wichtig sei auch, dass der Patient einen schrift­lichen Therapieplan und ein Peakflowmeter zur Kontrolle erhalte.

 

Eine wichtige Neuerung sei, dass die aktuellen GINA-Richtlinien einen früheren Einsatz inhalativer Corticostero­ide (ICS) empfehlen, so Schmidt. Bei einem hohen Risiko für Asthma-Anfälle oder für Exazerbationen könne nun schon auf Stufe 1 der Therapie ein niedrig dosiertes ICS eingesetzt werden, berichtete er. »Das ist sinnvoll, da das Asthma so längerfristig besser kontrollierbar ist.« Die Dosis sollte dabei möglichst niedrig ausfallen, höhere Corti­coid-Dosen hätten in Studien keine Vorteile gezeigt.

 

Jetzt neu: Tiotropiumbromid

 

Eine weitere Neuerung sei die Aufnahme des lang wirksamen anticholinergen Bronchodilatators Tiotropium­bromid in die Therapie-Empfehlungen. Der zunächst nur zur Behandlung der COPD eingesetzte Wirkstoff kann in Aerosol-Formulierung (Spiriva® Respimat®) nach einer Indikationserweiterung 2014 nun auch erwachsenen Patienten mit schwerem Asthma gegeben werden. Er kann als Add-on-Erhaltungstherapie auf Stufe 4 und 5 zum Einsatz kommen, wenn das Asthma mit einem mittel bis hoch dosierten ICS und einem lang wirksamen β2-Agonisten (LABA) sowie einem kurz wirksamen β2-Agonisten (SABA) zur Bedarfsmedikation nicht ausreichend kontrollierbar ist.

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