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Apotheken-Lieferdienst
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Auch Sanvivo gibt auf 

Sanvivo wollte die Apotheken mit örtlichen Lieferdiensten vernetzen. Jetzt muss das junge Unternehmen die Zusammenarbeit mit Lieferando und Wolt beenden. Das bisherige Geschäftsmodell ist damit Geschichte. 
AutorKontaktLukas Brockfeld
Datum 16.08.2024  10:00 Uhr

Das Start-up Sanvivo wollte den Apotheken einen einfachen Zugang zum Onlinehandel ermöglichen. Das Unternehmen betreibt keinen eigenen Shop, sondern sorgt gegen Provision dafür, dass Apotheken bei den Lieferdiensten Lieferando und Wolt gelistet werden. Die Kundinnen und Kunden können OTC-Arzneimittel und andere Medizinprodukte bei teilnehmenden Apotheke bestellen. 

Nach Angaben des Unternehmens wurde der Service zuletzt von etwa 1000 Offizinen genutzt, überprüfbar ist die Angabe aber nicht, da die Partner nicht öffentlich sind. Doch jetzt teilte Sanvivo den Partnerapotheken mit, dass die Zusammenarbeit mit Lieferando und Wolt zum 31. August beendet werde.  Das Start-up arbeitet nicht mit anderen Lieferdiensten zusammen. 

Wirtschaftlich nicht nachhaltig 

Sanvivo begründet den Schritt mit einer »sich stark verändernden Marktsituation«. Auf Nachfrage der PZ erklärte Mitgründer und CEO Julius Rachor: »Durch das Digital-Gesetz (DigiG) beziehungsweise die aktuelle Auslegung dessen ergeben sich für uns immer weniger Möglichkeiten, ein gutes Digital-Angebot im Bereich E-Rezept für die lokale Apotheke zu schaffen und wirtschaftlich nachhaltig zu betreiben.«

Auch die von dem Start-up entwickelte App Vivoly ist inzwischen nicht mehr in den Stores von Apple und Google zu finden. Die App wurde im vergangenen Jahr vorgestellt und sollte es den Kundinnen und Kunden ermöglichen, E-Rezepte einzulösen und ihre Arzneimittel bei der Apotheke vor Ort zu bestellen. »Ohne die komplementäre Ergänzung unseres E-Rezept-Angebots mit der deutschlandweiten Liefer-Plattform, können wir dieses Gesamt-Angebot leider nicht weiter aufrecht erhalten«, erläuterte Julius Rachor. 

Auch andere Lieferdienste scheiterten

Das Ende des Lieferangebotes dürfte ein herber Rückschlag für das junge Unternehmen sein. Trotzdem will Sanvivo weiter Software-Lösungen im Gesundheitsbereich, insbesondere im Apotheken-Umfeld, entwickeln und anbieten. »Wir sehen auch noch immer ein großes Potential in der Digitalisierung der Vor-Ort-Apotheke; insbesondere durch die Möglichkeit, den Kunden eine besonders einfache und benutzerfreundliche Apotheken-Erfahrung zu bieten«, so Julius Rachor.

Apotheken-Lieferdienste haben es im deutschen Markt schwer. 2022 stellte beispielsweise der Berliner Arzneimittellieferdienst Kurando den Betrieb ein. 2023 meldete auch der Münchener Fahrradkurier-Anbieter Aponia Insolvenz an. Und zuletzt erwischte es sogar den mit Millionen vollgepumpten Anbieter Mayd.

Julius Rachor hält das Konzept allerdings nicht für grundsätzlich gescheitert: »Lieferdienste werden auch weiterhin einen Mehrwert im Apothekenumfeld bieten. Wirtschaftlich lässt sich dieses vor allem dann umsetzen, wenn Bestellungen gebündelt werden können«, so der Sanvivo-Mitgründer. 

 

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