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Postoperativ
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ASS statt Heparin zur Thromboseprophylaxe?

In einer aktuell hochrangig publizierten Studie konstatieren US-Mediziner, dass Acetylsalicylsäure (ASS) Heparinspritzen als Thromboseprophylaxe nach einer OP nicht unterlegen sei. Die Sache hat aber einen Haken.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 20.01.2023  07:00 Uhr

Eine individuelle Entscheidung

Hat die gute alte »Thrombosespritze« also womöglich bald ausgedient und wird durch ASS-Tabletten ersetzt? Mitnichten, sagt Privatdozent Dr. Robert Klamroth, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin – Angiologie und Hämostaseologie am Zentrum für Gefäßmedizin des Vivantes-Klinikums im Friedrichshain, Berlin. Er verweist zwar darauf, dass ASS in den europäischen Leitlinien schon länger als eine Option zur Thromboseprophylaxe nach Operationen erwähnt werde. Selbst sei er jedoch skeptisch: »Ich glaube nicht, dass ASS in dieser Indikation den Antikoagulanzien wie niedermolekularem Heparin ebenbürtig ist.«

So habe etwa im vergangenen Jahr eine Studie mit 9711 Patienten nach Hüft- und Kniegelenksersatz eine Überlegenheit der Thromboseprophylaxe mit Enoxaparin gegenüber ASS gezeigt (»JAMA«, DOI: 10.1001/jama.2022.13416). Eingriffe zum Hüft- und Kniegelenksersatz seien Operationen mit einem hohen Thromboserisiko. In der aktuellen Studie sei das Studienkollektiv dagegen mit Blick auf das Thromboserisiko durchaus heterogen gewesen.

ASS habe nach seiner Einschätzung wahrscheinlich einen geringeren Effekt zur Verhinderung venöser Thrombosen als niedermolekulare Heparine. »Damit ist meine Schlussfolgerung auch mit Blick auf die Publikation der aktuellen Daten, dass ASS abhängig von dem individuellen Thromboserisiko des Patienten im Einzelfall nicht ausreichend sein kann«, sagt Klamroth.

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