Aficamten|Myqorzo®|55|2026 |
Cytokinetics
5 mg Filmtabletten
10 mg Filmtabletten
15 mg Filmtabletten
20 mg Filmtabletten
Aficamten ist indiziert bei erwachsenen Patienten zur Behandlung der symptomatischen hypertrophen obstruktiven Kardiomyopathie (HOCM) der NYHA-Klassen II bis III.
Aficamten ist ein reversibler allosterischer kardialer Myosin-Inhibitor, der direkt an die Motordomäne des kardialen Myosins bindet und verhindert, dass es in den kraftproduzierenden Zustand eintritt. Der Effekt kommt durch eine Hemmung der kardialen Myosin-ATPase zustande. Diese bewirkt eine Relaxierung des Herzmuskels, indem die Ausbildung der Aktin-Myosin-Brücken reduziert wird. Der Energieverbrauch wird gesenkt, die linksventrikuläre Füllung verbessert und die Obstruktion des linksventrikulären Ausflusstraktes reduziert.
Vor Behandlungsbeginn ist die linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF) echokardiografisch zu bestimmen. Sie muss bei mindestens 55 Prozent liegen.
Die empfohlene Anfangsdosis beträgt 5 mg Aficamten einmal täglich. Anschließend wird die Behandlung alle zwei bis acht Wochen um 5 mg erhöht, bis eine individuelle tägliche Dosis (Erhaltungsdosis) oder die Tageshöchstdosis von 20 mg erreicht ist. Eine Kontrolle mittels Echokardiografie erfolgt zwei bis acht Wochen nach Behandlungsbeginn sowie nach jeder Dosisanpassung oder nach Behandlungsunterbrechung. Sobald die Patienten eine stabile Dosis Aficamten erhalten, werden Echokardiografien nur noch alle drei bis sechs Monate durchgeführt.
Aficamten wird durch CYP2C9-, CYP2D6- und CYP3A-Enzyme metabolisiert.
Die gleichzeitige Gabe bestimmter Arzneimittel, die mehrere P450-Eliminationswege von Aficamten hemmen, starke CYP2C9-Inhibitoren sowie moderate bis starke CYP2C9- oder CYP3A-Induktoren können die Exposition gegenüber Aficamten beeinflussen.
Als häufige Nebenwirkungen traten in Studien zu Aficamten Schwindelgefühl, Störung in der Systole, Palpitationen und hoher Blutdruck auf.
Kontraindiziert ist die gleichzeitige Anwendung mit moderaten CYP2C9-Inhibitoren, die auch moderate bis starke CYP2D6- oder CYP3A-Inhibitoren sind (zum Beispiel Fluconazol oder Adagrasib). Dasselbe gilt für die gleichzeitige Gabe mit starken CYP3A4-Induktoren, die auch moderate CYP2C9-Induktoren sind. Dazu zählen zum Beispiel Rifampicin oder Johanniskraut.
Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.
Die Zulassung von Myqorzo basiert auf der randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Phase-III-Studie SEQUOIA-HCM an 282 erwachsenen Patienten mit symptomatischer HOCM der NYHA-Klassen II oder III. Die Patienten erhielten über 24 Wochen einmal täglich Aficamten oder Placebo. Primärer Endpunkt war die Veränderung der Belastungskapazität nach 24 Wochen, gemessen anhand der maximalen Sauerstoffaufnahme (pVO₂) im Rahmen einer Spiroergometrie.
Unter Aficamten verbesserte sich die pVO₂ gegenüber Placebo statistisch signifikant: Die mittlere Differenz gegenüber Placebo betrug 1,74 ml/kg/min. Auch in den sekundären Endpunkten zeigten sich signifikante Unterschiede zugunsten von Aficamten, zum Beispiel hinsichtlich der Lebensqualität, der Herzinsuffizienz-Symptomatik und der Indikation für eine invasive Septumreduktion.
Die hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) zählt zu den häufigsten erblichen Herzerkrankungen. Charakteristisch ist eine Verdickung des Herzmuskels. Bei etwa zwei Dritteln der Betroffenen kommt es dadurch zu einer zunehmenden Verengung des linksventrikulären Ausflusstrakts (hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie, HOCM), die maßgeblich für die Symptome verantwortlich ist. Dazu zählen Belastungsdyspnoe, fortschreitende Herzinsuffizienz, Angina pectoris, Palpitationen, Vorhofflimmern, Schwindel und Synkopen, oft belastungsinduziert. Ursächlich sind Mutationen in den Sarkomeren, den kontraktilen Proteinen der Herzmuskelzellen. Die genetischen Veränderungen führen zu einer vermehrten Bildung sogenannter Aktin-Myosin-Querbrücken und in der Folge zur Überkontraktion des Muskels.
Myqorzo ist bei Temperaturen nicht über 30 °C zu lagern.
Myqorzo ist verschreibungspflichtig.
Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).
Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden. Schwangere sollten kein Aficamten einnehmen, es sei denn, die Therapie ist aufgrund des klinischen Zustands der Frau erforderlich. In der Stillzeit ist zu entscheiden, ob das Stillen zu unterbrechen ist oder ob auf die Behandlung mit Aficamten verzichtet werden soll.
Analogpräparat
Letzte Aktualisierung: 10.07.2026