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ARZNEISTOFFE

Botulinumtoxin Typ B|NeuroBloc®|64|2001

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STOFFGRUPPE
64 Muskelrelaxanzien und -Reversoren
WIRKSTOFF
Botulinumtoxin Typ B
FERTIGARZNEIMITTEL
NeuroBloc®
HERSTELLER

Eisai

MARKTEINFÜHRUNG (D)
03/2001
DARREICHUNGSFORM

5000 E/ml Injektionslösung

Indikationen

NeuroBloc ist zugelassen zur Behandlung der zervikalen Dystonie (Schiefhalssyndrom). Die Bewegungsstörung resultiert aus einer Fehlfunktion des extrapyramidalen Systems. Bewegungen treten unwillkürlich auf und können zu einer abnormen Haltung oder tonischen beziehungsweise phasischen Muskelkontraktionen führen.

 

Eine Therapie mit dem Toxin vom Typ B spricht auch bei Patienten an, die im Laufe der Zeit eine Resistenz gegen das Gift vom Typ A entwickelt haben.

Wirkmechanismus

Botulinumtoxin Typ B hemmt irreversibel die Ausschüttung des Neurotransmitters Acetylcholin aus den Vesikeln in den synaptischen Spalt und blockiert so die Impulsübertragung von Nerven auf Muskel. In der Folge wird die quergestreifte Muskulatur gelähmt. Dazu dockt zunächst die schwere Kette des Eiweißmoleküls an die Membran der Nervenzelle und ermöglicht es der leichten Kette des Proteins, in die Zelle einzudringen. Diese zinkhaltige Endoprotease, die zunächst noch umgebaut wird, unterdrückt dann die Freisetzung des Neurotransmitters.

Anwendungsweise und -hinweise

NeuroBloc darf nur von erfahrenen Ärzten verabreicht werden. Es wird direkt in den betroffenen Muskel injiziert. Dosis und Frequenz der Injektionen müssen individuell angepasst werden. Die Wirkstärke des Toxins wird in Einheiten angegeben. Die Anfangsdosis beträgt üblicherweise 10.000 Einheiten und wird in die zwei bis vier am stärksten betroffenen Muskelpartien aufgeteilt. Das Toxin darf keinesfalls in Blutgefäße gelangen.

 

Der behandelnde Arzt sollte berücksichtigen, dass mehrere Tage vergehen können, bis die Therapie anspricht. Eine erneute Injektion ist in der Regel nach drei bis vier Monaten erforderlich. Kürzere Abstände sollten vermieden werden, da sich die Therapie nur schwer steuern lässt und sich zudem Antikörper gegen das Toxin bilden.

Wichtige Wechselwirkungen

Sollen zusammen mit NeuroBloc Aminoglykoside oder andere Arzneistoffe gegeben werden, die ebenfalls die neuromuskuläre Übertragung beeinflussen, ist dies sorgfältig zu erwägen.

Nebenwirkungen

Als Nebenwirkungen in Studien zu NeuroBloc traten am häufigsten Mundtrockenheit und Dysphagien auf. Diese waren jedoch nur moderat ausgeprägt.

 

Experten gehen davon aus, dass Patienten mit einem kürzeren Verlauf der Dystonie besser von einer Therapie profitieren.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Patienten mit bekannten neuromuskulären Erkrankungen dürfen mit NeuroBloc nicht behandelt werden. Dazu gehören die amyotrophe Lateralsklerose und periphere Neuropathien. Ebenfalls kontraindiziert ist Neurobloc bei Patienten mit Störungen der neuromuskulären Übertragung. Dazu gehören Patienten mit Myasthenia gravis und Lambert-Eaton-Syndrom.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

NeuroBloc wurde in zwei klinischen Studien an fast 200 Patienten mit zervikaler Dystonie geprüft. In die eine Untersuchung wurden nur Probanden eingeschlossen, die nicht mehr auf das Toxin vom Typ A ansprachen. In beiden Studien reduzierte Botulinumtoxin Typ B bei einer mittleren Wirkdauer von 12 bis 16 Wochen signifikant Schmerzen, Behinderung und Stärke der Muskelkontraktionen.

Hintergrundinfos

Die extrem giftigen Toxine aus dem Bakterium Clostridium botulinum kommen bei verschiedenen Indikationen zum Einsatz. Der Erreger produziert sieben verschiedene Serotypen (A bis G). In der Therapie wurde bislang nur das Toxin vom Typ A genutzt. Mit NeuroBloc steht auch das Toxin Typ B therapeutisch zur Verfügung.

Besonderheiten

NeuroBloc ist bei Temperaturen von 2–8 °C (Kühlschrank) zu lagern und darf nicht einfrieren. Es ist außerdem vor Licht geschützt (Umkarton) aufzubewahren. Innerhalb der Haltbarkeitsfrist darf NeuroBloc einmalig für längstens drei Monate bei einer Temperatur nicht über 25 °C gelagert werden. Es muss dann aufgebraucht oder verworfen werden. Eine erneute Lagerung im Kühlschrank darf nicht erfolgen.

NeuroBloc ist verschreibungspflichtig.

Weitere Hinweise

Während der Schwangerschaft darf NeuroBloc nicht verabreicht werden, es sei denn, dies ist zwingend erforderlich. Während der Stillzeit muss entschieden werden, ob das Stillen oder die Behandlung mit NeuroBloc fortgesetzt werden soll.

Letzte Aktualisierung: 07.04.2017