Als Programme für Smartphone oder Browser führen DiGA dann Schritt für Schritt durch bewährte (häufig verhaltenstherapeutische) Methoden, erklärt der psychologische Psychotherapeut Lasse Sander. Die Inhalte seien modular aufgebaut und würden sich meist an »störungsspezifischen Therapiemanualen« orientieren, so der Experte, der am Institut für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg forscht.
Es kommt aber immer auf die Art und Schwere der Erkrankung an, ob eine digitale Gesundheitsanwendung überhaupt geeignet ist. Primär richten sich die Programme an Menschen mit leichter bis mittelschwerer psychischer Belastung, die an ihrer Genesung arbeiten möchten.
DiGAs sind für alle geeignet, die Informationen über ihre Erkrankung suchen und erste Hinweise erhalten möchten, wie sie damit umgehen können. »Je schwerwiegender und komplexer die Erkrankung, desto geringer sind auch die Effekte«, ordnet Maaß ein.
Insbesondere bei erhöhter Selbstgefährdung sind DiGA laut Sander nicht als alleinige Behandlung geeignet, können aber gegebenenfalls ergänzend hilfreich sein. Sie sind jederzeit verfügbar, »in der Hosentasche, direkt bei den Leuten«, so Sander, und bieten strukturierende Unterstützung sowie Notfallkontakte – ein Vorteil gerade in sehr belastenden Phasen. Eine gute App für psychische Erkrankungen sollte deshalb immer Notfallnummern und Ansprechpartner für akute Krisen enthalten.
Haben Sie suizidale Gedanken oder haben Sie diese bei einem Angehörigen/Bekannten festgestellt? Hilfe bietet die Telefonseelsorge: Anonyme Beratung erhält man rund um die Uhr unter den kostenlosen Nummern 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222. Auch eine Beratung über das Internet ist möglich unter www.telefonseelsorge.de. In Notfällen, etwa bei drängenden und konkreten Suizidgedanken, wenden Sie sich bitte an die nächste psychiatrische Klinik oder wählen Sie den Notruf unter der Telefonnummer 112. Auf der Website der Deutschen Depressionshilfe finden Sie Klinikadressen und eine Auflistung von Krisendiensten und Beratungsstellen in Ihrer Region.
Vorsicht ist laut Maaß geboten, wenn Menschen, die eigentlich eine Psychotherapie benötigen, zunächst nur eine DiGA nutzen. Bleibt der Erfolg aus, kann dies die Motivation für eine Therapie verringern. Gleichzeitig zeigt sich bei vielen, dass sich der Wille steigert, die erlernten Techniken in einer Therapie umzusetzen, so Maaß.