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Proteste
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Apothekerin unterstützt die Demonstrierenden im Iran

Eine Apothekeninhaberin aus Essen versucht, den Protestierenden im Iran per Telefon und Videochat pharmazeutische Hilfe zu leisten. Die PZ hat mit ihr gesprochen.
AutorKontaktAlexandra Amanatidou
Datum 20.01.2026  12:00 Uhr

Iran: Besonders viele Augenverletzungen

Bis zum 8. Januar konnte die Apothekerin die Verwundeten per E-Mail, FaceTime oder Telefonat unterstützen. Seitdem gibt es eine Internet-Blockade im Land. Laut Medienberichten erleben fast 90 Millionen Menschen massive Einschränkungen im Alltag. Während der Internetblockade ist auch die medizinische Hilfe von ParsiMed sehr schwierig. »Jetzt kommen einzelne Anrufe oder sehr indirekte Nachrichten über Reisende, die sich bereits in anderen Ländern befinden«, sagt die Apothekerin. So habe sie vor einigen Tagen einen Anruf aus der Türkei erhalten. »Wir haben dann mehr Informationen zu Verletzten bekommen.«

Besonders viele Schussverletzungen gebe es im Gesicht und an den Augen. Das interprofessionelle ParsiMed-Team empfiehlt in solchen Fällen, die Wunde zu spülen und Antibiotika wie Gentamicin anzuwenden, um eine Entzündung oder Infektion zu verhindern. Weitere Empfehlungen betreffen die Schmerztherapie und Desinfektion. Außerdem vermittelt ParsiMed Kontakte zu Ärztinnen, Ärzten und Apotheken im Iran, die dem Netzwerk bekannt sind und bei denen die Menschen nicht in Gefahr geraten.

Medikamente seien im Iran momentan sehr teuer und nicht alles sei verfügbar. Arzani und ihr Team versuchen, den Protestierenden Tipps zu den verfügbaren Arzneimitteln zu geben. Der Verein versucht, über die Nachbarländer oder Reisende Medikamente zu schicken. Zu diesem Zweck hat er eine Spendenaktion gestartet.

Auch der SPD-Abgeordnete Matthias Mieves lobte die Arbeit des Vereins. So schrieb er in einem LinkedIn-Post: »Mein großer Dank gilt den Medizinerinnen und Medizinern, die jetzt nicht wegsehen, sondern handeln. Und meine volle Solidarität gilt den vielen mutigen Menschen im Iran, die trotz Gewalt und Repression für Freiheit auf die Straße gehen.« Ein Staat, der medizinische Versorgung verweigere und Gewalt gegen die eigene Bevölkerung ausübe, handle unmenschlich. »Das dürfen wir nicht hinnehmen«, so der SPD-Politiker. 

Den Verein gründete sich 2022, seitdem es die Proteste der »Frau, Leben, Freiheit«-Bewegung gibt. Auslöser war der Tod der 22-jährigen kurdischstämmigen Iranerin Jina Mahsa Amini. Daraufhin kam es zu iranweiten Protesten gegen die autoritäre Regierung des Landes. Laut Medienberichten wurde die Bewegung damals brutal niedergeschlagen.

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