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Proteste
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Apothekerin unterstützt die Demonstrierenden im Iran

Eine Apothekeninhaberin aus Essen versucht, den Protestierenden im Iran per Telefon und Videochat pharmazeutische Hilfe zu leisten. Die PZ hat mit ihr gesprochen.
AutorKontaktAlexandra Amanatidou
Datum 19.01.2026  16:08 Uhr
Apothekerin unterstützt die Demonstrierenden im Iran

»Ich kann überhaupt nicht zur Ruhe kommen. Gedanklich bin ich immer dort«, sagt Shahin Arzani zu den Protesten im Iran. Man erkennt, dass sie das Thema emotional berührt. »Man wird depressiv, wenn man sich all die Videos und Bilder anschaut. Man kann nur heulen.« Die Situation macht die Inhaberin der Viktoria-Apotheke in Essen nicht nur traurig, sondern auch wütend, »weil man nichts dagegen machen kann«.

Seit Ende Dezember 2025 protestieren die Menschen im Iran gegen die Inflation und die Regierung. Diese werden laut Medienberichten brutal unterdrückt. Laut der britischen Zeitung »The Sunday Times« wurden bislang schätzungsweise 360.000 Menschen verletzt, mindestens 700 bis 1000 Menschen haben ein Auge verloren. Zu diesem Ergebnis kommt die Zeitung nach Auswertungen von Mitarbeitern in acht großen Augenkliniken und 16 Notaufnahmen im Iran. Im Rahmen der Proteste rechnet sie außerdem mit 16.500 bis 18.000 Toten. Iranische Regierungsvertreter räumten hingegen gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters ein, dass bislang 5000 Menschen ihr Leben verloren hätten. Diese Angaben lassen sich jedoch nicht unabhängig verifizieren.

ParsiMed: Medizinische Hilfe im Iran per Telemedizin

Arzani versucht ihre Landsleute von Deutschland aus zu unterstützen. Die seit 1990 in Deutschland lebende Apothekerin ist seit einigen Jahren beim Netzwerk ParsiMed aktiv. Das nach eigenen Angaben unabhängige und unparteiische Netzwerk bietet »medizinische Unterstützung und Solidarität für Betroffene der iranischen Revolution«, wie auf der Website des Netzwerks zu lesen ist. Es setzt sich aus Apothekern, Ärzten, Psychologen und weiteren Heilberufen zusammen.

In einer Notfallgruppe arbeiten mehrere von ihnen zusammen, um die an sie herangetragenen Fälle zu bearbeiten. »Wir arbeiten Hand in Hand, um eine Diagnose zu stellen oder um über die nötigen Medikamente zu beraten«, erklärt Arzani.

Die Beratung ist besonders wichtig, da vielen Protestierenden bei Kliniken und Krankenhäusern eine Verhaftung droht. Dies betrifft Krankenhäuser, die entweder zur Regierung gehören oder von dieser finanziert werden, so Arzani. »Das medizinische Personal versucht trotzdem, viel zu helfen und Solidarität zu zeigen.«

So habe die Apothekerin von Augenzeugen gehört, dass Schussverletzungen nicht als solche dokumentiert, sondern eine andere Diagnose eingetragen wird. Zudem sollen Protestierende mit anderen Namen in den Krankenhäusern aufgenommen worden sein, damit sie nicht in Gefahr geraten.

Bis zum 8. Januar konnte die Apothekerin die Verwundeten per E-Mail, FaceTime oder Telefonat unterstützen. Seitdem gibt es eine Internet-Blockade im Land. Laut Medienberichten erleben fast 90 Millionen Menschen massive Einschränkungen im Alltag. Während der Internetblockade ist auch die medizinische Hilfe von ParsiMed sehr schwierig. »Jetzt kommen einzelne Anrufe oder sehr indirekte Nachrichten über Reisende, die sich bereits in anderen Ländern befinden«, sagt die Apothekerin. So habe sie vor einigen Tagen einen Anruf aus der Türkei erhalten. »Wir haben dann mehr Informationen zu Verletzten bekommen.«

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