| Daniela Hüttemann |
| 29.09.2026 10:30 Uhr |
Entzündliche Dermatosen gehen meist mit einem hohen Leidensdruck einher. Es dauert oft lang, bevor Patienten einen Facharzttermin bekommen. / © Getty Images/Irina Gulyayeva
Oft dauert es Wochen bis Monate, bis man einen Termin beim Dermatologen bekommt – auch weil es immer weniger dieser Fachärzte gibt. Viele Hauterkrankungen betreffen jedoch gar nicht nur die Haut, sondern zum Teil das ganze System, zum Beispiel Psoriasis. Der landläufige Name Schuppenflechte verharmlost das zugrunde liegende Krankheitsgeschehen mit einem erhöhten Risiko unter anderem für Gelenk-, Herz-Kreislauf- und metabolische Erkrankungen.
Dabei ist gerade bei Hauterkrankungen mit systemischen Folgen oder auch bestimmten Hautinfektionen eine rasche Diagnose und Therapie entscheidend. Hier könnten Apotheken bei der Früherkennung helfen und eine Lotsenfunktion einnehmen.
Es gibt bereits das Netzwerk hautapotheke.de der Deutschen Gesellschaft für Dermopharmazie. Ziel ist es, öffentliche Apotheken als qualifizierte und wissenschaftlich fundierte Anlaufstellen für Menschen mit Hautproblemen zu etablieren. Gemeinsam mit dem Deutschen Apothekerverband und dem Berufsverband der Deutschen Dermatologen gibt es nun ein neues Projekt: »Hautapotheke: Hauterkrankungen managen, gemeinsam mit Apotheken«.
»Apotheker beraten ohnehin viel dermatologisch und sind medizinisch versiert«, betont Dermatologin Professor Dr. Petra Staubach-Renz von der Universitätsmedizin Mainz. Da brauche es keine neuen Strukturen wie Gesundheitskioske oder Angebote in Drogeriemärkten durch nicht heilberufliches Personal. Apotheken sieht die Oberärztin als optimale Anlaufstelle und Vermittler.
In dem innovativen Versorgungsmodell werden zunächst die teilnehmenden Apotheken geschult, um Hautbefunde einschätzen, fundiert dazu beraten und (falls nötig) gezielt an einen Dermatologen zur Diagnose und Therapie weiterleiten zu können. Die teilnehmenden Apotheken sollen entsprechend an Hautarztpraxen angebunden werden.
Zum Start bitten die Projektinitiatoren möglichst viele öffentliche Apotheken, bei einer etwa 15-minütigen Umfrage mitzumachen. Dabei wird unter anderem gefragt, wie häufig Apotheken Patienten mit entzündlichen Dermatosen sehen, wie sie ihre aktuellen Kompetenzen für eine Einschätzung einstufen und welche Chancen und Herausforderungen sie sehen. Bei Beteiligung am Pilotprojekt selbst soll es auch eine finanzielle Vergütung geben.
So sollen nicht nur die Patienten schneller eine angemessene Versorgung bekommen, sondern auch Hausarztpraxen entlastet werden. Der Ansatz passt in das Konzept der Primärversorgung, bei der die Apotheke als niedrigschwellige Anlaufstelle im Gesundheitssystem eine Lotsenfunktion einnimmt.
Die Überleitung in die fachärztliche Versorgungsebene müsse allerdings im Rahmen eines zukünftigen Primärversorgungssystems implementiert und/oder gegebenenfalls in selektivvertraglichen Konzepten vereinbart werden, da die aktuelle Spargesetzgebung eine Überleitung strukturell und vergütungstechnisch nahezu unmöglich macht, heißt es in der Projektbeschreibung.