Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Ursachen und psychische Folgen
-
Anzeichen toxischer Beziehungen erkennen

Toxische Beziehungen sind ein zunehmendes psychologisches und gesellschaftliches Problem. Machtungleichgewichte, Manipulation und emotionaler Missbrauch können Folgen für die mentale Gesundheit haben. Psychologen nennen Warnsignale und Muster.
AutorKontaktPZ
AutorKontaktdpa
Datum 12.01.2026  12:30 Uhr
Anzeichen toxischer Beziehungen erkennen

In den sozialen Medien ist der Begriff toxische Beziehung häufiger zu finden. Es handele sich aber nicht um einen klinischen Diagnosebegriff. Er werde jedoch als Sammelbegriff für belastende, dysfunktionale, bisweilen gewaltvolle Beziehungen verwendet, erklärt der Psychologe Elias Jessen im dpa-Interview. Gemeinsam mit seinem Kollegen Mickaël Brunhammer leistet er auf der Streaming-Plattform Twitch digitale Präventionsarbeit.

Das Thema betreffe viele Menschen, so Jessen. Schließlich seien negative Beziehungserfahrungen sehr verbreitet. Der Berliner Psychotherapeut Dirk Stemper definiert den Begriff ähnlich. Er sagt, bei toxischen Beziehungen schadeten sich zum einen die Beteiligten gegenseitig – meist emotional, manchmal auch physisch. »Zweitens sind sie in dieser schädlichen Dynamik verstrickt und können oder wollen sich nicht lösen, obwohl sie leiden.« Ob in romantischen Beziehungen, mit Familienmitgliedern und Freunden, am Arbeitsplatz oder online – die Grundmuster seien überall ähnlich: »Machtungleichgewicht, Manipulation, emotionaler Missbrauch

Kontrolle und Überwachung

Der Psychologe und Streamer Jessen spricht ebenfalls davon, dass sich eine ungleiche Machtverteilung negativ auf Beziehungen auswirken könne. Weil Frauen historisch weniger Rechte und zeitgleich stärkere soziale sowie finanzielle Abhängigkeiten gehabt hätten, könne das Risiko für Kontrolle und Gewalt begünstigt gewesen sein, so der Experte.

Die Zahl der Opfer häuslicher Gewalt in Deutschland erreichte im Jahr 2024 einen Höchststand, wie das Bundeskriminalamt (BKA) mitteilte. In diesem Zeitraum wurden demnach laut Statistik fast 266.000 Menschen Opfer von Gewalt durch Familienmitglieder oder ihre Partner – 70,4 Prozent von ihnen waren weiblich. Bislang unklar sei jedoch, ob es tatsächlich mehr Fälle von häuslicher Gewalt gegeben hat oder ob der Anstieg auf eine höhere Anzeigebereitschaft zurückgehe, heißt es weiter.

THEMEN
Depression

Mehr von Avoxa