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Hereditäres Angioödem
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Antisense-Oligonukleotid zugelassen

Die EU-Kommission hat ein weiteres Medikament für die Prophylaxe von Attacken des hereditären Angioödems zugelassen. In Dawnzera™ von Otsuka Pharmaceuticals ist der neue Wirkstoff Donidalorsen enthalten, ein Antisense-Oligonukleotid.
AutorKontaktSven Siebenand
Datum 23.01.2026  15:30 Uhr

Bei der genetisch bedingten Erkrankung hereditäres Angioödem (HAE) entwickeln die Betroffenen Schwellungen an der Haut oder an Schleimhäuten. Dies kann lebensbedrohlich sein. Ursache der Erkrankung ist, dass zu wenig C1-Esterase-Inhibitor (C1-INH) vorliegt. C1-INH hemmt unter anderem Faktor XI, Faktor XII und Plasmakallikrein. Bei fehlender Regulation kommt es zur unkontrollierten Freisetzung von Bradykinin, was wiederum letztlich zu den charakteristischen Schwellungen führt.

Sowohl in der Akutbehandlung als auch in der Prophylaxe haben die vergangenen Jahre in der Pharmakotherapie einige Neuerungen gebracht. Unter anderem kamen die für die Prophylaxe vorgesehenen Wirkstoffe Lanadelumab und Berotralstat in den Handel. Beides sind Hemmstoffe von Plasmakallikrein. Durch die Blockade dieser Serinprotease wird weniger Bradykinin freigesetzt und das Entstehen der Ödemattacken verhindert.

Auch Donidalorsen führt letztlich dazu, dass Plasmakallikrein nicht zum Zuge kommen kann. Es ist ein Antisense-Oligonukleotid, das an eine N-Acetylgalactosamin-Einheit konjugiert ist, die einen durch Ribonuklease H1 vermittelten Abbau von Präkalikrein-(PKK-)mRNA bewirkt. Das führt zur verminderten Produktion von PKK-Protein in der Leber, welches ein Proenzym für Plasmakallikrein ist.

Donidalorsen wird angewendet zur routinemäßigen Vorbeugung von wiederkehrenden HAE-Attacken bei Erwachsenen und Jugendlichen ab zwölf Jahren. Der Wirkstoff ist nicht zur Behandlung akuter HAE-Attacken vorgesehen.

Die empfohlene Anfangsdosis beträgt 80 mg Donidalorsen als subkutane Injektion einmal monatlich. Ein Dosierungsintervall von 80 mg einmal alle zwei Monate kann in Betracht gezogen werden, wenn der Patient während der Behandlung mit dem Wirkstoff mindestens drei Monate lang gut kontrolliert ist.

Nach entsprechender Schulung zur korrekten subkutanen Injektionstechnik kann das Mittel vom Patienten selbst oder einer Betreuungsperson injiziert werden – in den Bauch, den oberen Oberschenkel oder, nur von einer Betreuungsperson, in die Rückseite des Oberarms. Es wird empfohlen, die Injektionsstelle immer zu wechseln.

Sehr häufig kommt es unter Donidalorsen zu Reaktionen an der Injektionsstelle. Auch erhöhte Leberenzymwerte wurden sehr häufig beobachtet.

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