| Annette Rößler |
| 05.02.2026 12:00 Uhr |
Bauchschmerzen, Übelkeit und Fieber sind die typischen Symptome einer akuten Blinddarmentzündung. / © Getty Images/Grace Cary
Eine akute Blinddarmentzündung (Appendizitis) ist ein häufiger medizinischer Notfall: 7 bis 8 Prozent der Bevölkerung erleiden sie einmal im Leben, meist im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. Laut der S1-Leitlinie »Empfehlungen zur Therapie der akuten Appendizitis bei Erwachsenen« gibt es bei einer unkomplizierten akuten Blinddarmentzündung keinen Hinweis auf Gangrän (abgestorbenes Gewebe), Phlegmone (diffuse eitrige Entzündung des tieferen Bindegewebes), freie purulente Flüssigkeit (Eiter) oder Abszess (abgekapselte Eiteransammlung). Bei einer komplizierten Appendizitis liegen dagegen eines oder mehrere dieser Merkmale vor.
Einige Studien haben gezeigt, dass insbesondere bei unkomplizierter Appendizitis eine alleinige Therapie mit Antibiotika der operativen Entfernung des Blinddarms nicht unterlegen ist. Bislang fehlten jedoch Langzeitdaten. Diese liefert nun ein Team um Professor Dr. Paulina Salminen von der Universitätsklinik Turku in Finnland im Fachjournal »JAMA«.
Die Forschenden berichten über ein Follow-up der APPAC-Studie (Appendicitis Acuta), einer randomisierten Studie mit 530 Patienten im Alter zwischen 18 und 60 Jahren, die zwischen 2009 und 2012 an sechs Krankenhäusern in Finnland wegen einer akuten unkomplizierten Appendizitis behandelt worden waren. 273 Patienten wurde mit einer offenen Operation der Blinddarm entfernt, die anderen erhielten Antibiotika (zunächst Ertapenem intravenös und anschließend Levofloxacin/Metronidazol oral). Analysiert wurde nun, wie viele der primär antibiotisch behandelten Patienten im Verlauf der folgenden zehn Jahre erneut eine Blinddarmentzündung entwickelten.
Dies war bei 37,8 Prozent der Patienten der Fall. Insgesamt 44,3 Prozent der zunächst mit Antibiotika behandelten Patienten wurde in den zehn Jahren nach der Randomisierung dann schließlich doch der Blinddarm herausoperiert, den meisten im ersten Jahr nach der Erstentzündung.
Komplikationen, also unerwünschte Ereignisse jeder Art im Beobachtungszeitraum, die mit der ursprünglichen Therapie im Zusammenhang standen, waren in der OP-Gruppe häufiger als in der Antibiotika-Gruppe (27,4 versus 8,5 Prozent). Dabei ist jedoch anzumerken, dass die Komplikationsrate bei laparoskopischen Eingriffen, wie sie heute üblich sind, in der Regel deutlich niedriger ist als bei einer offenen Operation. Signifikante Unterschiede in puncto Lebensqualität gab es zwischen den beiden Gruppen nicht.
Angesichts der beobachteten Rückfallquote innerhalb von zehn Jahren stelle die Gabe von Antibiotika prinzipiell eine Therapieoption bei Erwachsenen mit unkomplizierter Appendizitis dar, lautet das Fazit des Autorenteams – eine Einschätzung, die Professor Dr. Anthony Charles von der University of Vermont in Burlington in einem Editorial teilt. Die Entscheidung für oder gegen eine Operation (»to cut or to keep«) müssten Ärzte und Patienten unter Berücksichtigung der individuellen Gegebenheiten gemeinsam fällen, so der Editorialist.