| Laura Rudolph |
| 12.02.2026 12:00 Uhr |
In einer Studie gingen Impfungen mit dem Gürtelrose-Lebendimpfstoff Zostavax®, der bis Mai 2025 vermarktet wurde, mit einer langsameren biologischen Alterung einher. / © Adobe Stock/Zerbor
Forschende der University of Southern California (USC) haben anhand von Biomarkern untersucht, ob Personen mit und ohne Gürtelrose-Impfung auf zellbiologischer Ebene unterschiedlich altern. Dazu griff das Forschungsduo aus Professor Dr. Jung Ki Kim und Professor Dr. Eileen M. Crimmins auf Datensätze der großen Kohortenstudie Health and Retirement Study (HRS) zurück, bei der die Gesundheit von mehr als 20.000 US-Amerikanern ab 50 Jahren beobachtet wird.
Ihre Ergebnisse publizierten die Forschenden kürzlich in »The Journals of Gerontology«. Demnach scheint eine Impfung mit dem attenuierten Lebendimpfstoff Zostavax mit positiven Eigenschaften auf die zellbiologische Alterung einherzugehen. Kim und Crimmins analysierten für ihre Beobachtungsstudie Biomarker im Blut von 3884 Personen aus der HRS, die im Jahr 2016 mindestens 70 Jahre alt waren. Knapp die Hälfte von ihnen (49,6 Prozent) war mit Zostavax geimpft; der heute eingesetzte Totimpfstoff Shingrix war zu diesem Zeitpunkt noch nicht zugelassen. Inzwischen wurde Zostavax aus kommerziellen Gründen vom Markt genommen.
Im Vordergrund der Blutanalyse standen sieben Kategorien – angeborenes und erworbenes Immunsystem, Entzündungen, kardiovaskuläre und neurodegenerative sowie epigenetische und transkriptomische Veränderungen –, aus denen die Forschenden einen zusammengesetzten Score für die biologische Alterung ermittelten.
Zu den untersuchten Parametern gehörten verschiedene Immunzellen, darunter natürliche Killerzellen, Granulozyten, Monozyten sowie B‑ und T‑Zellen. Außerdem erfassten die Forschenden Entzündungsmediatoren wie TGF‑β sowie Interleukin‑6 und ‑10. Ergänzend analysierten sie Blutfluss, Blutdruck und Puls. Hinweise auf neurodegenerative Prozesse bestimmten sie unter anderem über pTau181, einen spezifischen Biomarker für die Alzheimer-Krankheit. Darüber hinaus prüften sie die epigenetische und transkriptomische Alterung der Zellen – also wie sich die Regulation des DNA‑Ablesens und die anschließende Proteinproduktion im Alter verändern.
Der ermittelte Alterungsscore wurde zwischen ungeimpften und geimpften Personen verglichen. Dabei berücksichtigten die Forschenden mithilfe statistischer Modelle, dass Faktoren wie Alter, Geschlecht, Rauchverhalten, chronische Erkrankungen sowie soziale und wirtschaftliche Unterschiede die Impfbereitschaft beeinflussen können. Diese Einflüsse filterten sie rechnerisch heraus, um den Zusammenhang zwischen Impfung und biologischem Altern möglichst unverzerrt zu beurteilen.
Die Forschenden geben ihre Ergebnisse über den Regressionskoeffizienten b an. Er beschreibt, um wie viele Standardabweichungen sich der Alterungsscore verändert, wenn eine Person geimpft ist. Negative b‑Werte stehen für ein günstigeres biologisches Altern, positive für ein ungünstigeres.
Lag die Impfung weniger als drei Jahre zurück, zeigten sich signifikante Vorteile hinsichtlich epigenetischer (b: –0,21) und transkriptomischer Alterung (b: –0,22) sowie ein besserer Gesamtscore (b: –0,18). In diesem Zeitraum zeigten sich allerdings keine signifikanten Effekte auf Entzündungen, angeborenes und erworbenes Immunsystem, kardiovaskuläre Parameter und Neurodegeneration.
Mehr als drei Jahre nach der Impfung verbesserten sich Entzündungsparameter (b: –0,17) und das angeborene Immunsystem (b: –0,09). Der günstige Effekt auf epigenetische (b : –0,13) und transkriptomische Alterung (b: –0,16) hielt an, fiel allerdings etwas schwächer aus. Der Gesamtscore blieb gleich (b: –0,18). Die adaptive Immunfunktion verschlechterte sich leicht (b : 0,13). Weiterhin nicht signifikant blieben Effekte auf kardiovaskuläre Hämodynamik und Neurodegeneration.
Zusammengenommen deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die Gürtelrose‑Lebendimpfung zunächst mit einer Verringerung der epigenetischen und transkriptomischen Alterung sowie einem besseren Gesamtscore verbunden ist. Dieser Effekt hielt mehrere Jahre an. In der späteren Phase zeigte sich zusätzlich ein verzögerter Zusammenhang mit niedrigeren Entzündungswerten und einer besseren Funktion des angeborenen Immunsystems, während sich die adaptive Immunfunktion leicht verschlechterte.
»Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Impfung gegen Gürtelrose wichtige Bereiche beeinflusst, die mit dem Alterungsprozess zusammenhängen«, schlussfolgert Crimmins in einer Pressemitteilung der USC. Da eine Beobachtungsstudie jedoch keinen kausalen Zusammenhang belegen kann, muss die Verbindung zwischen einer Gürtelrose-Impfung und einer möglichen Verzögerung biologischer Alterungsprozesse in Interventionsstudien weiter überprüft werden – zumal in der aktuellen Untersuchung der Lebendimpfstoff verwendet wurde und nicht der heute gebräuchliche Totimpfstoff.
Für den Totimpfstoff Shingrix gibt es bereits Hinweise auf einen möglichen Schutz vor Demenz. Vermutlich spielt dabei das eingesetzte Adjuvans eine zentrale Rolle.