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WHO
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Anforderungen für Verhütung beim Mann definiert

Die Weltgesundheitsorganisation gibt der Entwicklung neuer Verhütungsmittel für Männer erstmals einen konkreten Rahmen. Eine europäische Befragung zeigt zugleich: Das Interesse unter Männern an neuen Verhütungsoptionen ist groß.
AutorKontaktMelanie Höhn
Datum 01.10.2026  15:30 Uhr

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist die Beteiligung von Männern an der Empfängnisverhütung und Familienplanung nach wie vor begrenzt. Um das Spektrum der Verhütungsmethoden für Männer zu erweitern, werden derzeit neuartige, sichere, wirksame und reversible Methoden sowie entsprechende Verabreichungssysteme entwickelt.

Im Einklang mit ihrem normativen Auftrag hat die WHO deshalb erste Zielproduktprofile, sogenannte »Target Product Profiles« für neuartige Verhütungsmittel für Männer (NMCs) erstellt. Diese beschreiben die minimalen sowie die optimalen Anforderungen an neue Verhütungsprodukte für Männer und sollen als Orientierungshilfe für die Produktentwicklung, die Markteinführung, die behördliche Zulassungsprüfung sowie die Überwachung nach der Einführung reversibler Verhütungsmethoden dienen.

Die Profile behandeln laut WHO drei Wirkmechanismen:

  1. die Unterdrückung der Spermatogenese,
  2. die Hemmung der Spermienfunktion sowie
  3. die Blockade der Spermienübertragung bzw. des -transports.

Für jeden dieser Ansätze legen sie Leistungsparameter und Kriterien fest, etwa hinsichtlich der kontrazeptiven Wirksamkeit, Sicherheit, Reversibilität und Akzeptanz. Damit soll ein einheitlicher Rahmen für die Entwicklung und Bewertung neuartiger Verhütungsprodukte für Männer geschaffen werden.

Es fehlten konkrete Vorgaben für die Zulassung

Der Europaabgeordnete und Mitglied im Gesundheitsausschuss Peter Liese (CDU/EVP) bezeichnet dies als einen wichtigen Schritt, der ihm »große Hoffnung« mache. »Lange Zeit gab es bei der Verhütung für Männer kaum Fortschritte. Dies lag vor allem an einem Henne-Ei-Problem. Die Forscherinnen und Forscher sowie Unternehmen, die in diesem Bereich engagiert waren, beklagten mangelnde Vorgaben von den Behörden, die für die Zulassung zuständig sind«, so Liese.

Die Behörden, wie zum Beispiel die EMA in der EU, hätten keine konkreten Anfragen und Daten von den Unternehmen bekommen. Oft sei vonseiten der Zulassungsbehörden argumentiert worden, man dürfe bei Verhütungsmitteln für den Mann gar keine Nebenwirkungen zulassen, da der Mann ja keinen Vorteil davon habe, wenn die Frau nicht schwanger werde.

Weniger Nebenwirkungen als bei Kontrazeptiva für Frauen erwartet

»Ich finde das skandalös, wenn man gleichzeitig sieht, wie schwer die Nebenwirkungen bei Frauen sind. Ich bin fest davon überzeugt, dass Verhütungsmethoden für den Mann insgesamt mit weniger Nebenwirkungen verbunden sind. Aber ganz bestimmt wird es in individuellen Fällen Paare geben, bei denen die Nebenwirkungen für den Mann geringer sind als für die Frauen.«

Liese erklärte weiter: »In einer modernen Partnerschaft müssen und wollen beide Partner Verantwortung übernehmen. Jetzt schafft die WHO erstmals Orientierung für die Entwicklung neuer Produkte. Das kann helfen, bestehende Unsicherheiten abzubauen und die Entwicklung zu beschleunigen«, so der Politiker.

55 Prozent würden zugelassene Verhütungsoptionen nutzen

Zudem zeige eine europäische Befragung, dass es eine erhebliche Nachfrage nach neuen Verhütungsmöglichkeiten für Männer gebe. Rund 14.000 Männer in sieben europäischen Ländern seien hierzu befragt worden. 62 Prozent hätten angegeben, innerhalb des ersten Jahres nach einer Zulassung eine neue Verhütungsmethode für Männer nutzen zu wollen. In Deutschland seien es 55 Prozent gewesen.

Die Befragung wurde von der Male Contraceptive Initiative (MCI) initiiert und finanziert; durchgeführt wurde sie von Desire Line, einer auf Verhaltens- und Marktforschung spezialisierten Beratung. Die Ergebnisse der Befragung würden das Argument widerlegen, dass Männer gar kein Interesse an neuen Verhütungsmöglichkeiten haben. »Viele Männer wollen Verantwortung übernehmen. Gleichzeitig leiden viele Frauen unter teilweise erheblichen Nebenwirkungen bestehender Verhütungsmittel. Neue Optionen für Männer würden deshalb nicht nur Männern helfen, sondern auch Frauen und Paaren insgesamt«. so Liese.

Neue Verhütungsmittel in zwei bis drei Jahren möglich

Liese setzt sich seit Längerem für bessere Rahmenbedingungen für die Entwicklung männlicher Verhütungsmittel ein. Gemeinsam mit der Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Katarina Barley, hat er die Europäische Arzneimittelagentur EMA aufgefordert, mehr regulatorische Klarheit für die Entwickler zu schaffen und eine Dialogveranstaltung im Europäischen Parlament initiiert. »Ich hoffe, dass dieser Dialog auch in Europa jetzt schnell Klarheit schafft. Wenn alle mitziehen, kann es durchaus sein, dass schon in zwei oder drei Jahren ein zuverlässiges Verhütungsmittel für Männer zur Verfügung steht«, betonte Liese.

Auch Katarina Barley, Europaabgeordnete und Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, stellte klar: »Noch immer liegt die Verantwortung für Empfängnisverhütung überwiegend bei Frauen. Frauen tragen auch die finanziellen Kosten und die gesundheitlichen Nebenwirkungen von Verhütung bisher meist allein. Männer wiederum haben dadurch keine Kontrolle über die Verhütung und wünschen sich mehr Sicherheit darüber, dass sie zuverlässig erfolgt.«

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