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Praxisschließungen
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Ärzte protestieren gegen Gesundheitspolitik

Ein Kittel-Haufen vor dem Bundesgesundheitsministerium, geschlossene Praxen und Warnungen vor dem Kollaps: Ärzte haben heute gegen Politik und Krankenkassen protestiert und ihnen ein »Kaputtsparen« von Praxen vorgeworfen. Das stieß auch auf Kritik.
Autordpa
Datum 02.10.2023  17:15 Uhr

Lauterbach kontert mit Beitragssätzen

Lauterbach kritisierte die Praxisschließungen bereits vorab: »Am Brückentag schließen viele Praxen, wie die Apotheker wollen auch sie mehr Geld. Im Mittel (Median) verdienen sie aber nach Abzug aller Kosten um die 230 000 Euro pro Jahr«, schrieb er auf der Internet-Plattform X (vormals Twitter). Und er fragte – offensichtlich rhetorisch gemeint: »Soll der Beitragssatz für Arbeitnehmer steigen, damit das Honorar weiter steigt?«

Der CSU-Gesundheitspolitiker Stephan Pilsinger warf Lauterbach ein »arrogantes Verhalten« vor. Anstatt etwas gegen Ärztemangel, Bürokratie und Unterfinanzierung zu tun oder zumindest das Gespräch zu suchen, eskaliere dieser, indem er den niedergelassen Ärzten Geldgier unterstelle, sagte Pilsinger der Mediengruppe Bayern.

Der Virchowbund hielt Lauterbach vor, er könne nicht rechnen. Der Reinertrag einer Praxis sei kein Gewinn. Der Verband nannte andere Zahlen: Im Schnitt kommt eine Arztpraxis demnach auf einen Überschuss von 172.903 Euro im Jahr. Nach Abzug von Steuern, Altersvorsorge, Kranken- und Pflegeversicherung blieben 85.555 Euro netto - 7130 Euro im Monat. »Unter Berücksichtigung der durchschnittlichen Arbeitszeiten der niedergelassenen Ärzte im Jahr 2020 ergibt sich daraus ein Nettostundensatz von 41 Euro.«

Krankenkassen und Patientenschützer kritisieren Schließungen

Auf Unverständnis stießen die Praxisschließungen bei den Gesetzlichen Krankenkassen (GKV). »Es ist keine drei Wochen her, da haben sich Ärzteschaft und Krankenkassen auf ein Honorarplus von 1,6 Milliarden Euro verständigt, was am Ende aus den Krankenkassenbeiträgen der Versicherten bezahlt werden muss. Und heute stehen diese Versicherten als Patientinnen und Patienten vor verschlossenen Türen, weil die Ärzteverbände jetzt noch weitergehende Forderungen haben«, sagte der Sprecher des GKV-Spitzenverbands, Florianz Lanz, der dpa. Auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte die Aktionen. »Jede Berufsgruppe kann für bessere Bezahlung kämpfen. Doch Praxisschließungen treffen in erster Linie kranke und schwache Menschen«, sagte Vorstand Eugen Brysch.

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