| Daniela Hüttemann |
| 03.03.2026 18:00 Uhr |
Eine Auswertung des ARMIN-Projekts zeigt, dass Ärzte nur 3,3 Prozent der von Apothekern vorgeschlagenen pharmazeutischen Interventionen ablehnten. Dahinter dürften klare Absprachen und Verantwortlichkeiten stecken. / © Getty Images/ljubaphoto
Das Modellvorhaben Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen (ARMIN) lief von 2014 bis 2022 in den beiden Bundesländern. In diesem Zeitraum wurden 5033 Patienten mit Polymedikation durch ein intensives interprofessionelles Medikationsmanagement betreut, also gemeinsam von Stammapotheke und Hausarztpraxis. Der Verlauf wurde mit dem von 10.039 herkömmlich betreuten Kontrollpersonen verglichen.
Das beeindruckende Ergebnis verkündeten die Projektpartner aus Apotheker- und Ärzteschaft und AOK Plus im April 2023: Die ARMIN-Gruppe hatte ein um 16 Prozent verringertes relatives Sterberisiko. Absolut gesehen verstarben 9,3 Prozent der Patienten aus der ARMIN-Gruppe und 12,9 Prozent der anderen Patienten bei einer Nachbeobachtungszeit von 30 Monaten. Doch die Daten geben noch mehr her.
Mitarbeitende des Bereichs Versorgungskonzept der ABDA veröffentlichten nun im Februar eine Analyse zum potenziellen klinischen Einfluss der pharmazeutischen Interventionen im Fachjournal »Exploratory Research in Clinical und Social Pharmacy«.
Genauer ausgewertet wurden die Interventionen bei 79 Patientinnen und Patienten jeweils über sechs Monate ab Einschreibung in ARMIN. Die Forschenden um Erstautorin Dr. Christiane Eickhoff schauten auf die Zahl und Art der von den Apotheken detektierten arzneimittelbezogenen Probleme (ABP), welche und wie viele pharmazeutische Interventionen stattfanden, welchen klinischen und ökonomischen Einfluss diese hatten, ob es Änderungen der Medikation gab und inwieweit die Ärzte bei der Lösung der ABP involviert waren.
Im Schnitt wandten die Patienten bei Einschluss in die Studie 10,2 Arzneimittel an (zwischen fünf und 26). Genau 538 pharmazeutische Interventionen wurden durchgeführt und etwa drei von vier wurden als erfolgreich implementiert klassifiziert. Davon hatten 84,2 Prozent einen geringen und 12,6 Prozent einen moderaten klinischen Einfluss. Die allermeisten Interventionen (81,9 Prozent) beeinflussten die Kosten nicht. Bei allen 79 Patienten gab es Änderungen im Medikationsplan.