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Erstes Lebensjahr

Achtsamer Umgang mit zarter Babyhaut

Regalmeter voller Pflegeprodukte fürs Baby, ganzseitige Werbeanzeigen und gutgemeinte Ratschläge von Großeltern, Freundinnen oder Blogs von Social Media: Es ist schwer, sich in dieser Informationsflut zurechtzufinden. Für Eltern ist die kompetente Beratung zum Thema »Babyhaut im ersten Lebensjahr« in der Apotheke hilfreich.
Barbara Staufenbiel
12.06.2022  08:00 Uhr

Das größte Organ ist die Haut. Sinnesorgan, Temperaturregler, Sonnenschutz und Wasserspeicher: Die Haut erfüllt viele Aufgaben. Strukturell ist die Haut von Babys, Kleinkindern und Erwachsenen gleich aufgebaut, funktionell bestehen deutliche Unterschiede.

Die Haut besteht aus drei Schichten: Oberhaut (Epidermis), Lederhaut (Dermis) und Unterhaut (Subcutis) (Grafik). Die Epidermis mit Hornschicht und Säureschutzmantel mit einem pH-Wert von 5,5 wirkt als Schutzbarriere gegen alle negativen Einflüsse von außen und zugleich vor Austrocknung. Die Hornschicht (Stratum corneum) besteht aus dicht aneinander liegenden Keratinozyten, die innerhalb von vier Wochen an die Oberfläche wandern, sich verhornen und ablösen. Unter der Hornschicht befindet sich die Keimschicht mit den für die Zellvermehrung der Epidermis wichtigen Basalzellen; darin eingelagert sind die Melanozyten, die das Melanin für den UV-Schutz bilden.

Die Keimschicht ist eng verbunden mit der Lederhaut. Spiralig miteinander verschlungene Kollagenfasern halten diese elastisch und schützen die Haut vor Druck. Talgdrüsen stabilisieren die Hautfeuchte, Schweißdrüsen unterstützen die Temperaturregulierung.

Die Unterhaut aus lockerem Bindegewebe und kleinen Fettdepots schützt vor Wärmeverlust. Rezeptoren zur Wahrnehmung von vielfältigen Reizen befinden sich in allen drei Hautschichten.

Reifung der Babyhaut im ersten Lebensjahr

Die Haut von Babys ist im Mutterleib und bei der Geburt durch die Käseschmiere vor Austrocknung und Keimen geschützt. Käseschmiere enthält Wasser, Proteine und Lipide und sollte beim Neugeborenen nicht abgewaschen, sondern zum Schutz der Haut einmassiert werden. Die darunter liegende Haut benötigt einige Wochen, um den Säureschutzmantel aus Fetten, Wasser und Schweiß aufzubauen.

Babyhaut ist drei- bis fünfmal dünner als die Haut Erwachsener und durchlässiger für Erreger, Allergene oder Schadstoffe aus der Umgebung oder aus ungeeigneten Pflegeprodukten. Sie verliert leicht Feuchtigkeit und Wärme und neigt zur Trockenheit. Die Thermoregulation ist noch nicht ausgereift; erst im Alter von sechs bis acht Monaten können Babys schwitzen. Da als UV-Schutz erst wenig Melanin gebildet wird, müssen Babys und Kleinkinder besonders vor Sonnenstrahlen geschützt werden. Die Proliferation der Epithelzellen in der Basalschicht setzt nach der Geburt ein. Damit nimmt die Dicke der Epidermis im Lauf einiger Wochen zu.

Da die Hautschichten noch unzureichend vernetzt sind, ist die Haut mechanisch instabil. Das bedeutet, dass ein Baby nach dem Bad nicht trocken gerubbelt, sondern vorsichtig abgetupft werden muss.

Weniger ist mehr!

Da die Babyhaut so dünn und durchlässig ist, sollte das Apothekenteam spezielle hypoallergene Säuglingspflegeprodukte mit einem neutralen oder leicht sauren pH-Wert ohne Duftstoffe, ohne Konservierungsmittel, ohne Zusatz von Natriumlaurylsulfat und ohne Farbstoffe empfehlen (Tabelle 1). Diese Produkte sollten ausreichend Lipide und natürliche Feuchthaltefaktoren (Natural Moisturizing Factors, NMF) wie Glycerin enthalten. Inhaltsstoffe aus Erdöl wie Paraffine sind zu minimieren, rät das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Babypuder gehört nicht in die Wickelzone, da es zu Husten- und Erstickungsunfällen des Babys führen kann.

Hautpflege Do’s Dont’s
Käseschmiere sanft einmassieren abwaschen
Pflegeprodukte hypoallergene Produkte, möglichst mikroplastikfrei Puder, Produkte mit Duft-, Konservierungs-, Farbstoffen
Inhaltsstoffe in Pflegeprodukten Glycerin, Allantoin, Nachtkerzensamenöl Paraffine, Natriumlaurylsulfat
Baden, Hautreinigung zweimal wöchentlich baden mit rückfettendem Babybadeöl gründliche Reinigung der Haut mit Waschlappen und Seife
Abtrocknen vorsichtig trocken rubbeln
Eincremen rückfettende Lotio Babyöl
UV-Schutz Vermeidung durch UV-dichte Kleidung, Aufenthalt im Schatten, UV-Schutz an Kinderwagen und Autofenster Eincremen mit Sonnenschutzmitteln
Windelwechsel alle vier Stunden, viel Luft an den Po mit windelfreier Zeit nach Bedarf
Tabelle 1: Pflege der Babyhaut

Frühestens nach vier Wochen, sobald der Nabelschnurrest abgefallen ist, kann das erste Bad von fünf bis zehn Minuten mit lauwarmem Wasser (37 °C), ergänzt mit wenig rückfettendem Babybadeöl, genommen werden. Nach dem Bad (etwa zweimal wöchentlich) wird empfohlen, das Baby zur Stärkung der Hautbarriere dünn mit einer rückfettenden Lotio einzucremen, die im Sommer mehr Wasser und im Winter mehr Lipide enthalten sollte. An den übrigen Tagen reicht es aus, Mund und Hände mit lauwarmem Wasser und einem weichen Tuch zu reinigen.

Wird der Schnuller heiß geliebt, kann die Haut darunter durch den Speichel aufweichen, sich röten oder entzünden. Nur der Kinderarzt kann hier eine periorale von einer atopischen Dermatitis unterscheiden. Das Apothekenpersonal sollte den Eltern raten, zunächst alle Pflegeprodukte an der gereizten Haut zu vermeiden und nur klares Wasser zum Waschen sowie später eine hypoallergene Basispflege zu verwenden. Idealerweise sollten andere Beruhigungsrituale als der Schnuller eingeübt werden.

Harmlose Hautveränderungen bei Neugeborenen

Kleine Pickel, Ausschläge und Rötungen auf der Haut sind meist harmlos und entstehen durch den Reifungsprozess und die Anpassung an die Umwelt.

Der selbstlimitierende Neugeborenen-Ausschlag mit roten Flecken, weißen Knötchen oder gelblichen Pickeln kann etwa zwei Wochen anhalten und neben Handflächen und Fußsohlen auch den ganzen Körper betreffen. Milien, kleine gelblich-weiße, mit Hornmaterial gefüllte Pünktchen, befinden sich in der Nähe von Nase und Augen. Sind die Pickel rötlich mit einem gelben Knötchen, handelt es sich um Säuglingsakne, vermutlich verursacht durch Reste mütterlicher Hormone. Die Pickelchen dürfen nicht ausgedrückt werden und sollten von Pflegeprodukten ausgespart bleiben.

Da auch die inneren Organe noch nicht voll ausgereift sind, kann die Leber die roten Blutkörperchen nicht schnell genug abbauen. Der resultierende Bilirubinstau führt für ein paar Tage zur Neugeborenen-Gelbsucht.

Das Apothekenpersonal kann die Eltern beruhigen: Diese Hauterscheinungen verschwinden oft nach einigen Wochen und bedürfen keiner besonderen Behandlung. Sollte sich das Hautbild verschlechtern, ist der Kinderarzt oder die Hebamme hinzuzuziehen.

Storchenbiss oder Hämangiom

Der Storchenbiss (Naevus flammeus medialis, symmetrisches Feuermal) ist ein rotes, unregelmäßig geformtes, abgegrenztes Hautmal, das in der Körpermitte, zumeist im Nacken, auf der Stirn oder an der Nasenwurzel, zu sehen ist (2). Nervenfasern, die die Gefäßweitstellung steuern, sind noch unzureichend ausgereift. So bleiben die kleinen roten Äderchen an dieser Stelle erweitert. Im Lauf des ersten Lebensjahrs erfolgt im Gesicht häufig eine spontane Rückbildung. Der Storchenbiss im Nacken verblasst mit der Zeit und darüber wachsende Haare decken ihn ab.

Davon abzugrenzen ist der Naevus flammeus lateralis (asymmetrisches Feuermal), der am ganzen Körper auftreten kann. Dies ist eine gutartige Fehlbildung oberflächlicher Blutgefäße mit permanenter Weitstellung aufgrund fehlender korrigierender Nervenfasern.

Hämangiom am Arm… / Foto: Adobe Stock/Gordana Sermek
… und Storchenbiss an Stirn und Augenlidern: Beide Hautveränderungen sollte der Kinderarzt beobachten. / Foto: Adobe Stock/Deymos.HR

Blutschwämmchen (Hämangiom) sind eine gutartige Wucherung von erweiterten Blutgefäßen, sichtbar als hellrote, bläuliche und erhabene Hautmale (3). Sie können sich in den ersten Lebensmonaten leicht vergrößern und verschwinden dann spätestens bis zum fünften Lebensjahr. 90 Prozent aller Hämangiome gehören zu den lokalisierten, scharf begrenzten Formen. Die seltenen segmentalen Gewebstumoren können begleitet sein von Gefäß- oder Organfehlbildungen. So können Gehirn, Augen, Leber, Lunge, Herz oder Organe des Gastrointestinaltrakts mitbetroffen sein.

Gemäß der aktuellen S2k-Leitlinie »Infantile Hämangiome im Säuglings- und Kleinkindesalter« (AWMF-Reg.-Nr. 006-100, Stand: Oktober 2020) ist bei komplizierteren Hämangiomen die systemische Behandlung mit dem Betablocker Propranolol über sechs Monate Therapie der Wahl (Hemangiol®; standardisierte Magistralrezeptur Propranolol-Hydrochlorid-Saft 5 mg/ml, NRF 11.142.). Der Wirkmechanismus ist noch unklar. Diskutiert werden eine Vasokonstriktion der Blutgefäße, abnehmende Spiegel von VEGF (vaskulärer endothelialer Wachstumsfaktor) und FGF-2 (Fibroblasten-Wachstumsfaktor 2) sowie die Apoptose der proliferierenden Endothelzellen. Vor der Behandlung mit Propanolol sollte auch bei einem gesunden Säugling und unauffälliger Familienanamnese ein EKG aufgezeichnet werden.

Sinnvoll ist die möglichst frühzeitige Therapie und zwar einschleichend mit 1 mg/kg Körpergewicht/Tag. In stationärer Behandlung erfolgt die Dosiserhöhung täglich, bei ambulanter Therapie wöchentlich auf die Zieldosis von 2 (bis 3) mg/kg KG/Tag. Die Einnahme erfolgt zu oder kurz nach den Mahlzeiten. Bei unzureichender Nahrungsaufnahme, Erbrechen oder Bronchitis muss die Behandlung unterbrochen werden.

Das Apothekenteam sollte darauf hinweisen, Hautveränderungen wie einen Storchenbiss oder ein Hämangiom zu beobachten und ärztlich abklären zu lassen.

Milchschorf oder Kopfgneis

Milchschorf und Kopfgneis: Irrtümlicherweise wird oft angenommen, dass beide Begriffe denselben Hautzustand beschreiben.

Kopfgneis ist eine Form der seborrhoischen Dermatitis. Es handelt sich um eine nicht ansteckende, harmlose Hauterkrankung in den ersten drei bis vier Lebensmonaten. Als Ursache wird ein Überschuss an mütterlichen Androgenen im Blut des Neugeborenen vermutet, die die Talgproduktion der Kopfhaut anregen. Mit dem Abbau dieser Hormone verschwindet die Erkrankung. Eine genetische Komponente oder eine lokale Entzündung, möglicherweise durch die Besiedlung mit dem Hefepilz Malassezia furfur, werden als weitere Auslöser diskutiert. Kopfgneis mit weicher, weißlich-gelblicher, meist fettiger Schuppenkruste verursacht selten Beschwerden.

Der oft stark juckende Milchschorf mit gelblich-brauner Schuppenbildung gehört zum atopischen Formenkreis, tritt in der Regel nach dem dritten Lebensmonat auf und kann Vorbote einer Neurodermitis sein. Die Haut ist deutlich gerötet, nässend und oft blutig gekratzt. Superinfektionen durch Bakterien oder Pilze sind durch Kratzen oder unvorsichtiges Entfernen der Schuppen möglich.

Das Apothekenpersonal sollte den Eltern raten, die von Milchschorf oder Kopfgneis betroffenen Stellen mit Ölen (Mandel- oder Olivenöl) vorsichtig aufzuweichen. Bei starkem Juckreiz ist ein Arzt hinzuzuziehen.

Problembereich Windelregion

Die Windelregion des Babys bedarf der besonderen Aufmerksamkeit. Okklusiv wirksame Windeln, Stuhl und Urin schaden der empfindlichen Hautbarriere, die mit Irritation reagiert. Zur Reinigung reichen Wasser oder Feuchttücher, frei von Alkohol, Farb- und Duftstoffen. Stuhlreste lassen sich mit Babyöl entfernen. Die Windeln sollten alle vier Stunden gewechselt werden. Vorbeugend wirkt täglich eine windelfreie Zeit mit viel Luft an der Analregion.

Bei Windeldermatitis sind Dermatika mit austrocknendem und desinfizierend wirksamem Zinkoxid (Pasta zinci mollis DAB) Mittel der Wahl. Windelsoor (Superinfektion durch C. albicans) zeigt sich durch Rötung, häufig mit einem weißlichen Rand, und kleine Schuppen. Oft ist es nicht einfach, Windeldermatitis und Windelsoor eindeutig zu unterscheiden. Daher verordnen Kinderärzte oft auch allgemein bei entzündeter Windelregion ein Antimykotikum. Bei Trinkproblemen ist auch an Mundsoor zu denken. Der Pilzbefall wird mit Nystatin- oder Miconazol-haltigen Externa, oft kombiniert mit Zinkoxid, behandelt.

Ist die Haut stark gerötet, geschwollen oder kommen gar Bläschen und Pusteln hinzu, sollte das Apothekenpersonal auf die notwendige Differenzialdiagnose hinweisen (Tabelle 2).

Erkrankung Ursache Symptome Behandlung
Kontaktekzem irritativ: Stuhl, Urin
allergisch: Inhaltsstoffe von Windeln, Feuchttüchern und Pflegeprodukten
Rötung, Juckreiz Weglassen allergischer Reizstoffe, Windelwechsel alle vier Stunden, viel Luft an die Pohaut
seborrhoisches Ekzem Infektion mit dem Hefepilz Malassezia Schuppen und Krustenbildung mit geröteter Haut, selten Juckreiz Miconazol
atopisches Ekzem genetische Veranlagung Rötung, Ekzeme, Juckreiz, Unruhe Basispflege,
akut: niedrig dosierte Corticoidsalbe
Psoriasis genetische Veranlagung schuppiges Erythem,
Rötung und Nässen in den Falten, Juckreiz, Unruhe
Basispflege,
akut: niedrig dosierte Corticoidsalbe
Scabies Milben (Sarcoptes Scabiei) starker Juckreiz, Pusteln, Körperhaut meist mitbetroffen stationäre Behandlung
Candida Candida albicans meist Folge einer Windeldermatitis,
Rötung von weißem Rand umgeben
Nystatin, Miconazol, beide Wirkstoffe auch mit Zinkoxid kombiniert
Streptokokken-Infektion Halsentzündungen (Familienanamnese) Erythem, Fissuren, Juckreiz, Schmerzen Amoxicillin mit Clavulansäure, altersgerecht dosiert
Lichen sclerosus Autoimmunerkrankung Rötung, im Verlauf porzellanweiße Verfärbung, Atrophie, weiße flechtenartige Flecken niedrig dosierte Corticoidsalbe
Kawasaki-Syndrom Autoimmunerkrankung, systemische Vaskulitis Rötung und Ödeme im Windelbereich, schuppige Haut, Fieber Antipyretika, Immunglobulin
Tabelle 2: Mögliche Erkrankungen der Babyhaut im Windelbereich (10)

Was tun beim atopischen Ekzem?

Empfindliche Babyhaut kann allergisch auf Inhaltsstoffe in Pflegeprodukten reagieren. Vom allergischen Ekzem abzugrenzen ist das atopische Ekzem (Neurodermitis), eine Überreaktion des Immunsystems mit schubartigen Entzündungen, die sich schon früh ab dem zweiten oder dritten Lebensmonat zeigen kann. Betroffen sind vor allem Gesicht und Kopf (Milchschorf), aber auch die Streckseiten der Arme und Beine sowie Hände und Fußrücken.

Symptome des atopischen Ekzems sind starke Trockenheit mit geschwächter Barrierefunktion der Haut. Die Kinder leiden unter extrem juckenden geröteten Papeln, nässenden Hautabschürfungen und Krusten. Bakterielle Superinfektionen sind möglich. Nachts hindern Baumwollhandschuhe und ein Neurodermitis-Overall das Baby am Kratzen. Die Fingernägel sollten kurz geschnitten werden.

Zu empfehlen sind dem Hautzustand angepasste Basistherapeutika (fette Salbengrundlagen auf trockener Haut oder hydratisierende Öl-in-Wasser-Emulsionen bei weniger trockener Haut). Ein Zusatz von Allantoin, Nachtkerzensamenöl oder Glycerin stabilisiert die Hautfeuchte, während Harnstoff beim Baby zu Irritationen und Brennen führt.

Topische Glucocorticosteroide (Fluticasonpropionat, Methylprednisolonaceponat) wirken antientzündlich und sollten niedrig dosiert nur wenige Tage angewandt werden. Deren Resorption ist unter okklusiven Bedingungen (Windelbereich) erhöht. In schweren Einzelfällen kommen off Label topische Calcineurin-Inhibitoren zum Einsatz. Die juckreizstillende Wirkung von Rezepturen mit Polidocanol ist durch kontrollierte klinische Studien nicht belegt (9).

Für das rezeptfreie Hydrocortison in Dermatika gilt eine Altersbeschränkung ab sechs Jahren. Da die Haut von Babys und Kindern sehr durchlässig und die schützende Hornschicht noch dünn ist, kann es bei unsachgemäßer Anwendung zu systemischen Nebenwirkungen kommen, schlimmstenfalls mit Auswirkungen auf Wachstum und Entwicklung des Kindes. Die Corticoid-Anwendung bei Babys gehört daher ausschließlich in ärztliche Hand.

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin rät wegen des ungünstigen Nutzen-Risiko-Profils von der systemischen Behandlung mit Antihistaminika der ersten Generation (Doxylamin, Diphenhydramin, Dimenhydrinat) ab; das sollte in der Apotheke beachtet werden. Für Dimetinden-Lösung gilt die Faustregel: 1 Tropfen pro kg Körpergewicht, Minimaldosis fünf Tropfen, Maximaldosis 30 Tropfen. Antihistaminika der zweiten Generation, verfügbar als Saft oder Tropfen, sind zugelassen ab einem Jahr (Desloratadin und Cetirizin; Levocetirizin erst ab zwei Jahren), können aber vom Arzt auch (off Label) für Säuglinge verordnet werden.

Virale Kinderkrankheiten

Die Grenzen der Selbstmedikation sind erreicht, wenn Hautausschläge nässen, stark jucken, sich weiter ausbreiten oder von systemischen Reaktionen wie Fieber, Durchfall oder Erbrechen begleitet sind. Sogenannte Kinderkrankheiten wie Masern, Windpocken oder Röteln zeigen einen typischen Hautausschlag.

Bei den hoch ansteckenden Masern entwickelt sich nach einem unspezifischen Prodromalstadium mit Fieber und Erkältungssymptomen ein vier bis fünf Tage anhaltendes typisches Exanthemstadium. Innerhalb von 24 Stunden breitet sich ein großfleckiger rötlicher Ausschlag, der hinter den Ohren beginnt, über den ganzen Körper aus. Die Viruserkrankung wird symptomatisch mit Antipyretika behandelt.

Bei Windpocken treten typische, stark juckende rote Flecken an Kopf, Körper und Schleimhäuten (Mundhöhle, Auge, Genitalbereich) sowie Fieber auf. Die Flecken wandeln sich schnell in Bläschen und Pusteln um, die verkrusten und eintrocknen. Hier steht neben der Fiebersenkung vor allem die Juckreizstillung lokal mit Zinkoxid (austrocknend, wundheilend) und Lidocain (anästhetisch) oder peroral mit Antihistaminika im Vordergrund, denn aufgekratzte Bläschen hinterlassen unschöne Narben.

Röteln, ebenfalls eine Viruserkrankung, beginnt mit allgemeinen Krankheitssymptomen (Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, schmerzhaft geschwollene Lymphknoten, vergrößerte Milz), gefolgt von einem drei bis vier Tage anhaltenden Masern-ähnlichen Hautausschlag, der leicht mit anderen Exanthemen verwechselt werden kann. Die Behandlung erfolgt mit Analgetika oder Antipyretika wie Paracetamol oder Ibuprofen altersgerecht dosiert (13).

Bakteriell bedingt: Impetigo contagiosa

Impetigo contagiosa ist die häufigste bakterielle Hauterkrankung im Säuglingsalter und wird durch Staphylococcus aureus oder Mischinfektionen verursacht. Nabel, Gesicht und intertriginöse Hautbereiche (Achsel, Leisten, Gesäßspalte) sind besonders betroffen.

Man unterscheidet die kleinblasige Form von der großblasigen. Die Bläschen platzen auf und es bilden sich gelbliche Krusten. Die Ansteckung erfolgt durch Schmierinfektion. Therapeutisch werden Antibiotika wie Amoxicillin eingesetzt (12).

Babyhaut vor Sonne schützen

Kinder- und Jugendärzte plädieren dafür, die Babyhaut in den ersten beiden Lebensjahren weder der Sonne auszusetzen noch mit Sonnenschutzmitteln einzucremen. Dies gilt ganz besonders für die ersten sechs Lebensmonate.

Babyhaut ist sehr dünn und die Pigmentierung unausgereift. Daher entspricht die Haut immer dem Hauttyp 1 mit geringster Eigenschutzzeit. UV-Strahlen dringen tief ein und schädigen die Stammzellen. Es wird immer wieder gewarnt, dass UV-bedingte Hautschäden in der Kindheit entstehen. Babyhaut sollte durch die Inhaltsstoffe von Sonnenschutzmitteln nicht unnötig belastet werden.

Viele Eltern wenden sich an die Apotheke, um für einen Urlaub am Meer oder in den Bergen gerüstet zu ein. Was kann das Apothekenpersonal raten? Wichtig ist der Aufenthalt im Schatten. Da auch hier ein Teil der UV-Strahlen die Haut erreicht, sollte die Kleidung aus dicht gewebtem Stoff sein oder möglichst gleich UV-Schutz beinhalten. Der Kinderwagen kann mit einem Sonnensegel und das Autofenster mit UV-Schutz ausgestattet werden.

Da die Thermoregulation von Babys im ersten Lebensjahr noch nicht ausreichend funktioniert, besteht erhöhte Gefahr für Sonnenbrand und Hitzeerschöpfung. Reagiert das Kind fiebrig, ist der Kinderarzt aufzusuchen.

Ist doch eine Sonnencreme gewünscht, stellen sich wichtige Fragen: Wie bedenklich sind chemische UV-Filter, wie hoch ist der Anteil an Nanopartikeln bei mineralischen Filtern? Was ist mit weiteren Inhaltsstoffen wie Polyethylenglykolen (PEG), Silikonen oder Kunststoffen? Klarer Rat: so wenig Zusatzstoffe wie möglich. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) empfiehlt einen Lichtschutzfaktor von mindestens 30, »sensitiv« oder »parfümfrei«. Die beste Wahl sind Sonnencremes mit mineralischem UV-Filter wie Titandioxid und Zinkoxid. Die Nanotechnologie erhöht den UV-Schutz und verhindert den sogenannten Weißeffekt beim Auftragen. Die EU-Kommission SCCS (Scientific Committee on Consumer Safety) schätzt das gesundheitliche Risiko durch den UV-Filter Nano-Titandioxid in einer Konzentration bis zu 25 Prozent für Kinder ohne Hautgrunderkrankungen (Allergie, Neurodermitis oder Psoriasis) als unbedenklich ein. Ein höherer Anteil sollte vermieden werden. Die Anwendung als Lotio oder Creme ist einem Spray vorzuziehen, da hier die Gefahr besteht, dass Nanopartikel eingeatmet werden (7, 8).

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