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Verunreinigte Glucose
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Ab 15. Juni startet Prozess gegen Kölner Apothekerin

Vor vier Jahren starben eine Frau und ihr ungeborenes Kind, nachdem sie eine verunreinigte Glucose-Lösung aus einer Kölner Apotheke getrunken hatte. Dafür muss sich nun eine Apothekerin vor dem Landgericht Köln verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr fahrlässige Tötung und versuchten Mord vor.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 04.05.2023  16:00 Uhr

Insgesamt 21 Verhandlungstage plant das LG Köln für den Strafprozess gegen die Kölner Apothekerin, der am 15. Juni 2023 beginnen soll. Wie das Gericht am gestrigen Mittwoch mitteilte, lautet der Vorwurf versuchter Mord durch Unterlassen.

Aber der Reihe nach: Eine 28-jährige Frau trank 2019 in der Praxis ihres Gynäkologen eine Glucose-Lösung als Teil eines Routinetests auf Diabetes in der Schwangerschaft. Daraufhin wurde sie bewusstlos, kam ins Krankenhaus und starb dort ebenso wie ihr noch ungeborenes Kind.

Wie sich herausstellte, war die Mischung aus der Heilig Geist-Apotheke in Köln-Longerich mit dem Betäubungsmittel Lidocainhydrochlorid verunreinigt. Und das Anästhetikum lagerte den Ermittlungen zufolge in einem ähnlichen Gefäß wie die Glucose. Vermutlich kam es zu einer Verwechslung während der Herstellung. Zuvor hatte offenbar auch eine andere Schwangere einen verunreinigten OGT aus dieser Apotheke erhalten, jedoch nur einen kleinen Schluck genommen und sich von ihrer Vergiftung wieder erholt. Die andere betroffene Frau dagegen starb wenige Tage nach der Vergiftung in einer Klinik.

Laut Staatsanwaltschaft soll die verantwortliche Apothekerin den Zusammenhang zwar erkannt, aber das behandelnde Krankenhaus nicht darüber informiert haben. Damit habe sie eine Rettung der zweiten Frau verhindert, so der Vorwurf. Die Anwälte der Verteidigung sind dagegen der Ansicht, die Apothekerin habe sich nichts zuschulden kommen lassen und auch nichts verheimlichen wollen.

In seiner Mitteilung hob das LG Köln nun hervor, dass bis zur Verurteilung für die Angeklagte die Unschuldsvermutung gilt.

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