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FIP-Kongress: Mehrheit gegen Homöopathie in Apotheken

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Beim Thema Homöopathie ist die Apothekerschaft weltweit gespalten. Das wurde am Dienstag beim Jahreskongress des Weltapothekerverbands FIP im schottischen Glasgow deutlich. In einer Abstimmung votierte zwar die Mehrheit der Apotheker dagegen, homöopathische Produkte weiter in Apotheken zu verkaufen. Vor der Abstimmung hatte es aber eine rege Pro-und-Kontra-Debatte gegeben, in der Experten beider Lager ihre Argumente darstellten. Dabei sprach sich Professor Dr. Geoff Tucker von der University of Sheffield gegen den Erhalt von Homöopathika im Apothekensortiment aus.

Die von Anhängern der Homöopathie zitierten Wirkprinzipien inklusive des Wassergedächtnisses seien nicht belegbar, so Tucker. Zudem gebe es keine harte Evidenz für eine Wirkung. Alle Cochrane-Reviews, die höchste klinische Evidenz, zeigten, dass die Wirksamkeit von homöopathischen Produkten nicht über die von Placebo hinausgeht. Die Homöopathie könne zudem auch schaden – nicht direkt, aber weil Diagnosen und Behandlungen mit wirksamen Methoden zu spät erfolgten, wenn zunächst ausschließlich homöopathisch behandelt werde.

Homöopathische Produkte absichtlich als Placebo einzusetzen, hält er für falsch. «Der Placeboeffekt funktioniert nur bei weniger schwerwiegenden Krankheiten, ist variabel und unvorhersehbar.» Außerdem täusche er den Patienten. Das sei in Gesundheitssystemen, in denen mittlerweile viel Wert darauf gelegt werde, den Patienten aufzuklären und zu informieren, um gemeinsame Entscheidungen treffen zu können, nicht zulässig. «Der Placeboeffekt lässt sich stärken: durch eine ganzheitliche Betreuung von Patienten, aber nicht durch den Verkauf von Wasser beziehungsweise Lactose mit Profit», so Tucker. Mit wenigen Ausnahmen sprächen sich alle Fachgesellschaften weltweit gegen Homöopathie aus. Er forderte, dass keine Studien zu homöopathischen Produkten mehr durchgeführt und keine Produkte von den Behörden mehr zugelassen werden sollten.

Anschließend sprach Christine Glover von Glovers Integrated Healthcare, niedergelassene Apothekerin und Homöopathin in Amesbury, für die Sache der Homöopathie. Sie zweifelte die Korrektheit der genannten Reviews an, da die ihrer Ansicht nach aussagekräftigsten Studien nicht in die Analysen mit einbezogen worden seien. Dass das Wirkprinzip der Homöopathie noch nicht bekannt sei, ließ sie als Gegenargument nicht gelten, da eine Reihe von Substanzen lange Zeit eingesetzt worden sei, ohne den Wirkmechanismus zu kennen.

Für die Homöopathie spreche die große Zahl an Therapeuten, die diese Präparate erfolgreich einsetzen, und die große Zahl an Menschen, die sie einnähmen. 45 Millionen Menschen weltweit nutzten homöopathische Produkte. «Das kann man nicht einfach wegdiskutieren», sagte Glover. Ihrer Ansicht nach laufe eine weltweite Kampagne, um die Homöopathie zu diskreditieren, wobei konservative Wissenschaftler vorschrieben, wie Wissenschaft auszusehen habe. Homöopathische Präparate seien kostengünstig, sicher und gäben den Patienten und den Therapeuten Auswahlmöglichkeiten.

Dem Argument der Kosteneffizienz widersprach in der anschließenden Diskussion Professor Dr. Martin Schulz, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK). Eine Langzeitanalyse der Kosten von 22.000 Versicherten der Techniker Krankenkasse aus dem Jahr 2017 hätte gezeigt, dass die Versicherten, die Homöopathie nutzten, über alle Diagnosen hinweg über den Untersuchungszeitraum von 36 Monaten deutlich mehr Kosten verursachten als Versicherte, die keine Homöopathie nutzten («PLOS one», DOI: 10.1371/journal.pone.0182897).

 

Ein Apotheker aus Irland zeigte sich irritiert, dass im Jahr 2018 noch eine Diskussion zur Homöopathie geführt werden müsse. Der FIP sollte schon längst eine deutliche Meinung zu der Thematik haben und den Einsatz von Homöopathika ablehnen.

Bei der Abstimmung im Anschluss sprachen sich fast zwei Drittel der im Auditorium anwesenden Pharmazeuten gegen eine Distribution von homöopathischen Produkten durch Apotheken aus. Mehr als ein Drittel stimmte für den Erhalt der Produkte in den Apotheken. Das Ergebnis habe keine bindende Wirkung für den Entscheidungsprozess des FIP, machte der Moderator der Sitzung, Andy Gray von der Universität KwaZulu Natal in Südafrika, deutlich. Es gebe aber einen Hinweis, in welche Richtung sich die Organisation orientieren sollte. (ch)

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05.09.2018 l PZ

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