Stada: Modernisierung drückt Dividende |

Stada hat ein turbulentes Geschäftsjahr hinter sich und wohl noch einige ebensolche vor sich. Nach der Übernahmeschlacht durch zwei Investoren im vergangenen Sommer stehen bei dem MDax-Unternehmen ein weitreichender, teurer Konzernumbau sowie große Investitionen an. Außerdem will Stada neue Märkte für sich erschließen. Dass der Generikahersteller aus Bad Vilbel deshalb sein Geld zusammenhalten möchte, dürfte den Aktionären spätestens heute klar geworden sein, als bekannt wurde, dass Stada die Dividende für 2017 auf 11 Cent pro Anteilsschein zusammenstreicht – das sind satte 85 Prozent weniger als im Vorjahr (72 Cent). Mit dem übrigen Gewinn von 54 Millionen Euro soll das Kapitalpolster gefüttert werden.
Bei der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt am Main betonte Finanzvorstand Mark Keatley gleichwohl, dass er mit dem Ausgang des Geschäftsjahres 2017 sehr zufrieden sei. Den Bilanzen zufolge stieg der Konzernerlös um 8 Prozent auf rund 2,3 Milliarden Euro (2016: rund 2,1 Milliarden Euro), der Gewinn sank um 1 Prozent auf 85,3 Millionen Euro. Das Umsatzplus verdankt der Konzern vor allem dem guten Auslandsgeschäft mit Generika sowie Markenprodukten. An Altlasten trägt Stada aber schwer: Mehr als 10 Millionen Euro hält das Unternehmen noch für Abfindungen an frühere Vorstände vor. Zahlreiche Chefwechsel sowie interne Intrigen hatten den Konzern, an dem nach wie vor viele Ärzte und Apotheker Aktien halten, in den vergangenen zwei Jahren eher negativ auffallen lassen.
Um die teils chaotisch anmutende Personalpolitik ging es heute in Frankfurt zwangsläufig erneut, wenn auch nur am Rande. Vorstandschef Claudio Albrecht hatte die Aufgabe, die ehrgeizigen Umbaupläne des Mittelständlers zu skizzieren. «Wir sind heute noch kein globaler Player», begann er. Das solle sich ändern, unter anderem indem in Schwellenländer sowie in die USA investiert werde. Bei Letzterem will sich Stada auf teure Produkte spezialisieren. Außerdem kündigte Albrecht höhere Ausgaben für Forschung und Entwicklung an. Sie sollen statt der bislang 6 Prozent künftig 8 Prozent des Umsatzes betragen. «Wir wollen uns auf Produkte konzentrieren, die schwer nachzubauen sind. Das fehlt uns bislang», sagte Albrecht. Fokussieren wolle man sich auf Spezialtherapeutika in den Bereichen Onkologie, Zentrales Nervensystem, Diabetes und Ophthalmologie.
Verantwortlich umsetzen wird Albrecht die Modernisierung allerdings nicht, denn der 58-jährige Österreicher scheidet zum kommenden September als CEO bei Stada aus. Peter Goldschmidt, bislang zuständig für das USA-Geschäft der Novartis-Tochter Sandoz, soll dann übernehmen – eine erneute Stabsübergabe, die zwar als solche geplant und angekündigt war, aber wohl wenig zur Beruhigung der Lage beitragen dürfte. Albrecht erklärte heute, dass die Vorhaben des Konzerns vollständig im Sinne seines Nachfolgers und damit nachhaltig seien. «Ich habe nichts angekündigt, was nicht zum Handwerkszeug eines Generikaexperten dazugehört», versicherte er. Allenfalls sei mit minimalen Abweichungen zu rechnen, denn letztlich folge Stada mit dem Konzernumbau einem weltweiten Trend. (cd)
Lesen Sie dazu auch
Stada-Übernahme: Investoren nehmen letzte Hürde, Meldung vom 03.02.2018
08.03.2018 l PZ
Foto: Stada