Heuschnupfen: Neue Immuntherapie braucht weniger Spritzen |

Forscher der Uni Wien haben einen potenziellen Impfstoff gegen Gräserpollen-Allergie entwickelt. In einer doppelblinden, randomisierten, multizentrischen Phase-IIb-Studie mit 180 Heuschnupfen-Patienten konnte die Immuntherapie mit dem Kürzel BM32 die Symptome im Mittel um 25 Prozent lindern, berichten die Forscher um Verena Niederberger im «Journal of Allergy and Clinical Immunology». Es sollen nun eine Phase-III-Studie sowie eine Studie mit Kindern folgen. Bestenfalls könnte der Impfstoff 2021 zugelassen werden, hoffen die Forscher. Ein Vorteil der Impfung: Es sind deutlich weniger Injektionen erforderlich als bei der derzeit häufig praktizierten Hyposensibilisierung.
Im Rahmen der Phase-IIb-Studie erhielten die Probanden vor Beginn des Pollenflugs entweder drei Injektionen des Impfstoffs sowie eine Booster-Impfung im Herbst oder Placebo. Im nächsten Jahr folgten bei den zuvor mit Verum behandelten Teilnehmern drei weitere Impfungen mit niedriger Dosis, die Placebogruppe erhielt wieder Placebo. Primärer Endpunkt war die Besserung der Erkrankungsschwere, gemessen anhand eines Scores, der sowohl die Symptome als auch den Medikationsbedarf erfasst. Der primäre Endpunkt wurde zwar nicht erreicht, doch im Vergleich zu Placebo reduzierte sich unter Verum die Symptomlast und auch die Lebensqualität verbesserte sich. Während im ersten Jahr in der Verumgruppe 6 Patienten Grad-2-Nebenwirkungen erlitten, war es in der Placebogruppe nur einer. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Symptome noch weiter zurückgehen, wenn die Impfung über Jahre immer wieder aufgefrischt wird.
Der Impfstoff basiert auf rekombinanten Fusionsproteinen, die nicht allergene Peptide der IgE-Bindungsstellen von vier verschiedenen Gräserpollen-Allergenen enthalten, gebunden an das preS-Protein des Hepatitis-B-Virus. Die Herstellungsmethode sei von der Arbeitsgruppe von Rudolf Valenta sowie dem österreichischen Unternehmen Biomay entwickelt worden, heißt es in einer Mitteilung der Universität Wien.
Denkbar sei ein Einsatz der Impfstofftechnologie auch zur Prävention von Heuschnupfen sowie zur Behandlung von Allergien gegen Hausstaubmilben, Katzen oder das hochallergene Beifußblättrige Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia). (dh)
DOI: 10.1016/j.jaci.2017.09.052
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22.01.2018 l PZ
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