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Schwer behandelbares Asthma: Antikörper im Kommen

 

Die Aktualisierung der Leitlinie zur Asthmatherapie wird schon seit Längerem erwartet. Dort sollen neben dem bereits seit 2005 zugelassenen Omalizumab (Xolair®), einem humanisierten Antikörper gegen Immunglobulin E (IgE), auch die neuen gegen Interleukin-5 (IL-5) gerichteten Antikörper Mepolizumab (Nucala®) und Reslizumab (Cinqaero®) aufgenommen werden, berichtete Professor Dr. Gerd Bendas von der Universität Bonn beim Wochenendworkshop «Patient und Pharmazeutische Betreuung» in Hamburg. Die Antikörper sind bislang für Patienten mit schwer ausgeprägtem Asthma als Zusatztherapie gedacht, wenn die Standardtherapie versagt.

«Wir kennen zwar die eigentliche Ursache von Asthma immer noch nicht, doch hat man das Krankheitsgeschehen in den vergangenen Jahren deutlich besser verstanden», so der Referent. Hinter einer ähnlichen Symptomatik verberge sich eine extrem heterogene Erkrankung. So wirkt Omalizumab nur bei Patienten mit allergischem Asthma, das durch IgE vermittelt wird. Mit Ligelizumab ist ein Antikörper gegen IgE in der Pipeline, der eine deutlich höhere Bindungsaffinität aufweist als Omalizumab.

Die Hälfte der Asthmapatienten weist eine deutlich erhöhte Eosinophilen-Zahl auf. Dieses eosinophile Asthma tritt häufig erst ab einem Alter ab 35 Jahren auf. IL-5 spielt eine entscheidende Rolle bei der Einwanderung von Eosinophilen ins Lungengewebe. Mepolizumab und Reslizumab hemmen die Bindung von IL-5 an seinen Rezeptor auf den Eosinophilen. Noch in der Pipeline befindet Benralizumab, das sich gegen die α-Kette des IL-5-Rezeptors richtet.

Beim allergischen Asthma spielen auch die TH2-Zellen eine wichtige Rolle. Sie setzen IL-4 und IL-13 frei, was B-Zellen aktiviert, die wiederum IgE bilden. IL-4 und IL-13 sind beide Target des noch nicht zugelassenen Antikörpers Dupilumab. Bislang liegt nur eine Zulassungsempfehlung in der EU für die Therapie der atopischen Dermatitis vor; eine Zulassung für Asthma könnte jedoch schon in kommendem Jahr folgen, mutmaßte Bendas. Tralokinumab, Lebrikizumab und Dectrekumab sind Wirkstoffkandidaten, die sich ausschließlich gegen IL-13 richten.

Wenig vielversprechend liefen dagegen Studien mit TNF-α-Inhibitoren. Zwar scheint dieser universelle proinflammatorische Marker auch bei Asthma eine Rolle zu spielen, in klinischen Studien konnten die gegen TNF-α gerichteten Antikörper die Krankheitsaktivität jedoch nicht signifikant reduzieren.

«Die therapeutischen Antikörper stellen eine wertvolle Bereicherung für die Therapie der Patienten mit schweren Verlaufsformen des Asthma bronchiale dar», konstatierte Bendas. «Sie greifen gezielt und kausal antiinflammatorisch in die heterogen pathologischen Mechanismen der Erkrankung ein und reduzieren die systemische Gabe von Glucocorticoiden.» Ein weiterer Vorteil sei, dass keine Wechselwirkungen mit der klassischen Asthmatherapie zu befürchten seien. Bendas schätzt, dass eine Antikörper-Therapie in Deutschland vermutlich für einige zehntausend bis hunderttausend Patienten infrage kommen könnte. (dh)

Lesen Sie dazu auch

Wirkstoffprofil Mepolizumab|Nucala®|28|2016

Wirkstoffprofil Omalizumab|Xolair®|28|2005

Wirkstoffprofil Reslizumab|Cinqaero®|28|2017

Asthmatherapie: Neue Targets, neue Antikörper, PZ-Titelbeitrag 03/2017

 

08.11.2017 l PZ

Foto: PZ/Daniela Hüttemann