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Paracetamol: Bedingt wirksam gegen Höhenkrankheit

 

Paracetamol kann Symptome der akuten Bergkrankheit (AMS) genauso gut lindern wie Ibuprofen. In einer aktuell im Fachjournal «Wilderness & Environmental Medicine» erschienenen Studie zeigten beide Schmerzmittel eine ähnliche Wirksamkeit, wurden jedoch nur miteinander und nicht mit dem Standardmedikament Acetazolamid (Diamox®) verglichen. Das schränkt die Aussagekraft des Ergebnisses ein.

 

Im Rahmen der Studie wurden 225 nicht nepalesische Bergsteiger in Pheriche auf 4371 m Höhe und in Dingboche auf 4410 m Höhe rekrutiert, die sich auf dem Weg zum Mount Everest befanden. Sie sollten randomisiert dreimal täglich entweder 1000 mg Paracetamol oder 600 mg Ibuprofen einnehmen, bis sie die Ortschaft Lobuche auf 4940 m Höhe erreichten, wo sie mittels eines validierten Fragebogens nach Symptomen der AMS befragt wurden. In der Paracetamol-Gruppe wurden 25 Teilnehmer höhenkrank (22 Prozent), in der Ibuprofen-Gruppe 18 (16 Prozent). Insgesamt lag die AMS-Rate also bei 19 Prozent und damit 14 Prozentpunkte niedriger, als es in früheren Studien mit nicht behandelten Teilnehmern gesehen wurde, schreiben die Autoren um Dr. Nicholas Kanaan von der University of Utah.

 

Die Prävention von AMS scheine somit ein multifaktorielles Geschehen zu sein. Die Mechanismen, über die Schmerzmittel hier eingreifen, sind unklar und sollten in weiteren Studien erforscht werden, so die Wissenschaftler. Wünschenswert wären dann auch direkte Vergleiche mit Acetazolamid, dessen Wirksamkeit zur AMS-Prophylaxe etabliert ist, das aber im Gegensatz zu Ibuprofen und Paracetamol verordnet werden muss. (am)

 

DOI: 10.1016/j.wem.2016.12.011

 

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26.06.2017 l PZ

Foto: Fotolia/Daniel Prudek