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Vertriebsstopp: Kein Canagliflozin für deutsche Diabetiker

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Ab sofort stellt das Pharmaunternehmen Janssen den Vertrieb seines Diabetesmedikaments Invokana® mit dem Wirkstoff Canagliflozin in Deutschland ein. Das teilte die Firma diese Woche mit. Da das Medikament schlecht  bei der frühen Nutzenbewertung abgeschnitten hatte, fürchtet die Firma wohl zu harte Preiseinschnitte im deutschen Markt, der für viele andere Länder richtungsweisend ist.

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) sah Anfang September auch nach einer erneuten Bewertung keinen Zusatznutzen in einer Kombination aus Canagliflozin mit Metformin gegenüber der alten Therapie mit Glimepirid plus Metformin. Dem schloss sich der Gemeinsame Bundesausschuss an. Damit hat Janssen wohl schlechte Chancen in den Preisverhandlungen mit den Krankenkassen und will diese gar nicht erst antreten.

Aus Unternehmenssicht kann der SGLT-2-Hemmer die Diabetes-Versorgung gegenüber älteren Medikamenten deutlich verbessern. Das hätten auch gesundheitspolitische Institute mehrerer europäischer Länder anerkannt. Der Meinung ist auch die Deutsche Diabetische Gesellschaft (DDG), die den G-BA-Beschluss scharf kritisiert. Der G-BA verhindere durch seine Entscheidung die Einführung einer neuen Gruppe von effektiven und sicheren Wirkstoffen, die für die Versorgung von Menschen mit Typ-2-Diabetes benötigt werden, erklärte DDG-Präsident Privatdozent Dr. Erhard Siegel laut Mitteilung. Denn Canagliflozin ist nach Dapagliflozin (Forxiga® von Astra-Zeneca und Bristol-Myers-Squibb) der zweite SGLT-2-Hemmer, der schlecht bewertet wurde. Für den dritten Vertreter, Empagliflozin (Jardiance® von Boehringer Ingelheim und Lilly), steht das Ergebnis der Nutzenbewertung noch aus. Auch Dapagliflozin hatten die Hersteller zwischenzeitlich vom deutschen Markt genommen, bis sie doch zu einer Einigung mit den Krankenkassen gekommen waren.

«SGLT-2-Hemmer sind eine wertvolle Bereicherung der therapeutischen Möglichkeiten, da sich der Wirkungsmechanismus von allen bisher verfügbaren Mitteln unterscheidet», sagte Professor Dr. Dirk Müller-Wieland , Mediensprecher der DDG. Gliflozine steigern die Ausscheidung von Glucose über die Nieren und senken darüber nicht nur den Blutzucker, sondern auch Gewicht und Blutdruck. «Wir betrachten Canagliflozin deshalb als geeignetes Mittel zur Monotherapie, wenn Ernährungsumstellung und Bewegung allein den Blutzucker nicht ausreichend senken und eine Anwendung von Metformin aufgrund von Unverträglichkeit oder Gegenanzeigen nicht möglich ist», so DDG-Präsident Siegel. Doch diese Alternative stehe nun für deutsche Typ-2-Diabetiker nicht mehr zur Verfügung.

Wie schon bei der Bewertung von Dapagliflozin kritisiert die DDG, dass das IQWiG zentrale Studiendaten aus methodischen Gründen nicht berücksichtigt hätte. Darin sei es unter Glimepirid siebenmal häufiger zu Unterzuckerungen gekommen. «Wir würden bei einem Patienten mit erhöhtem Hypoglykämie-Risiko immer einen SGLT-2-Hemmer bevorzugen», sagt Müller-Wieland. (db)

 

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Wirkstoffprofil Canagliflozin (Invokana® / 2014) in unserer Datenbank Neue Arzneistoffe

 

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26.09.2014 l PZ

Foto: Janssen