Urteil: Pfizer verliert Viagra-Patent in Kanada |

Der Oberste Gerichtshof von Kanada hat dem US-Pharmakonzern Pfizer sein Patent für das Potenzmittel Viagra® entzogen. Dies bestätigte der Generikahersteller Teva Pharmaceuticals in einer Stellungnahme. Teva hatte Pfizer aufgrund mangelhafter Informationspolitik verklagt und nach einem langwierigen Revisionsverfahren gestern vor dem Gericht in Ottawa Recht bekommen.
Laut dem Magazin «Focus» begründeten die Richter ihre Entscheidung mit einer Bestimmung des kanadischen Patenrechts: Demnach muss ein Hersteller die Wirkungsweise eines patentgeschützten Präparats vollständig offenlegen, um das Exklusivrecht zu halten. Schließlich solle seine Erfindung der Allgemeinheit dienen. «Wenn es keine vollständige Offenlegung gibt, kann es keine exklusiven Monopolrechte geben», zitierte der «Focus» die kanadischen Richter. Im Fall des Präparats Viagra habe Pfizer es versäumt offenzulegen, dass der Arzneistoff Sildenafil ausschlaggebend für die Wirkung sei. Pfizer selbst sprach von einem «rein formalen Grund» für den Entzug des Patents.
Ein Sprecher von Pfizer Deutschland betonte, der Verlust des Patentschutzes gelte ausschließlich für den kanadischen Markt. In Deutschland und vielen weiteren Staaten bestehe er weiter. Allerdings läuft das Patent für Viagra in Deutschland ohnehin im Juni 2013 aus. In Ländern wie Portugal, Spanien und Bulgarien besteht es bereits seit Längerem nicht mehr. Auch in den USA wurden Anfang dieser Woche erstmals Generika für den Wirkstoff Sildenafil durch die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA zugelassen. (ah)
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09.11.2012 l PZ
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