Sepsis: Pneumokokken-Impfung zur Prophylaxe |

Das Risiko einer Blutvergiftung (Sepsis) kann nach Einschätzung des Jenaer Intensivmediziners Professor Dr. Konrad Reinhart durch eine Schutzimpfung gegen Pneumokokken deutlich verringert werden. «Die meisten Sepsis-Fälle sind Folge von Lungenentzündungen und dagegen schützt die Pneumokokken-Impfung», sagte der Vorsitzende der Global Sepsis Alliance (GSA) in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. In Deutschland sterben jährlich schätzungsweise 60.000 Menschen an einer Sepsis. Darauf wollen Mediziner und Kliniken an diesem Donnerstag mit Aktionen unter anderem in Berlin und Jena aufmerksam machen. Anlass ist der erste Welt-Sepsis-Tag.
Bei Sepsis bekommt der Körper eine ursprünglich örtlich begrenzte Infektion nicht mehr in den Griff. Die gefährlichen Krankheitskeime breiten sich über den Blutkreislauf aus, am Ende versagen die lebensnotwendigen Organe. Reinhart empfiehlt eine Pneumokokken-Impfung vor allem älteren Menschen, Diabetikern, Menschen mit chronischen Lebererkrankungen und Patienten, denen die Milz entfernt wurde. «Von dieser Risikogruppe ist derzeit nur etwa ein Drittel geimpft», sagte der Professor am Universitätsklinikum Jena.
Neben von Pneumokokken verursachten Lungenentzündungen können auch Infektionen im Bauchraum oder Wundinfektionen nach Verletzungen eine Sepsis auslösen. Die Krankheit werde wegen ihrer unspezifischen Symptome wie Fieber, Schüttelfrost oder Schmerzen von Ärzten häufig nicht rechtzeitig erkannt, sagte Reinhart. «Sogar in den Notaufnahmen wird sie oft übersehen.» Damit verringerten sich die Überlebenschancen der Betroffenen dramatisch.
Bei Sepsis sollte die Therapie idealerweise innerhalb von vier Stunden beginnen. Reinhart: «Bei Sepsis-Verdacht muss schon im Notarztwagen oder Rettungshubschrauber mit einer Antibiotika-Therapie begonnen werden.»
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12.09.2012 l PZ/dpa
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