Magersüchtige bewerten Gewicht anderer realistisch |

Magersüchtige können die Körper anderer Menschen realistisch wahrnehmen, obwohl ihnen das bei sich selbst nicht gelingt. Das berichtet eine Forschergruppe um Dewi Guardia von der Universitätsklinik im französischen Lille im Fachjournal «PLoS One». Die Fehleinschätzung könnte nach Angaben der Forscher unter anderem im zentralen Nervensystem der Magersüchtigen liegen. Ihrer Annahme zufolge speichert dies die neue ausgemergelte Figur der Erkrankten nicht sofort ab. Daher seien die Patienten der Meinung, immer noch so viel zu wiegen wie zuvor.
«Die Hypothese, dass es sich um ein Gedächtnisproblem der Patienten handelt, ist noch sehr gewagt. Die Annahme ist spannend, jedoch sind noch viele Tests nötig», erläutert Professor Dr. Stephan Bender von der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie in Dresden.
Im Rahmen ihrer Studie zeigten die US-amerikanischen Wissenschaftler 25 essgestörten und 25 gesunden Menschen eine türähnliche Öffnung. Die magersüchtigen Patienten sollten einschätzen, ob sie selbst oder einer der gesunden Menschen durch die Öffnung hindurchpassen. Dabei zeigte sich, dass Magersucht-Patienten ihren eigenen Körper völlig falsch einschätzen, bei anderen Menschen aber meist richtig liegen. Bereits frühere Studien zeigten, dass Magersüchtige ihren Körper zu dick fanden, um durch die Öffnung zu gehen, obwohl sie mehr als groß genug für sie gewesen wäre.
doi: 10.1371/journal.pone.0043241
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23.08.2012 l dpa
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