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Cochrane-Review empfiehlt medikamentösen HIV-Schutz

 

Wer ein hohes Risiko hat, sich mit HIV zu infizieren, könnte demnächst Tabletten zur Prophylaxe verschrieben bekommen. Denn die aktuelle Studienlage deutet darauf hin, dass die Einnahme von Tenofovir als Monosubstanz oder in Kombination mit Emtricitabin das Infektionsrisiko stark reduziert. In einem aktualisierten Cochrane-Review werteten Wissenschaftler um Charles Okwundu von der Universität Stellenbosch in Südafrika sechs Studien mit insgesamt fast 10.000 Teilnehmern aus. Die Probanden waren selbst HIV-negativ, hatten jedoch ein erhöhtes Infektionsrisiko, da sie sich in einer Beziehung mit einem HIV-positiven Partner befanden, häufig wechselnde Sexualpartner hatten oder als Prostituierte arbeiteten. An den Studien waren sowohl hetero- als auch homosexuelle Frauen und Männer beteiligt. Sie nahmen die Präexpositionsprophylaxe (PrEP) oder Placebo täglich oder phasenweise ein.

 

Daten aus vier der Studien mit insgesamt 8813 Teilnehmern zeigen, dass die Kombination aus Tenofovir und Emtricitabin das Infektionsrisiko gegenüber Placebo halbierte. Unter PrEP infizierten sich 19 von 1000 Teilnehmern mit HIV gegenüber 39 von 1000 in den Kontrollgruppen. Die Einnahme von Tenofovir allein, die in zwei Studien mit 4027 Probanden untersucht wurde, zeigte sogar eine stärkere relative Risikoreduktion für HIV-Infektion (10 von 1000 versus 26 von 1000). Die Nebenwirkungsrate war zwischen Verum- und Kontrollgruppe vergleichbar.

 

Die Ergebnisse sprechen für einen Einsatz der untersuchten Medikamente zur HIV-Infektionsprophylaxe. Die Autoren weisen jedoch daraufhin, dass die medikamentöse PrEP nur eine von vielen Maßnahmen in der Bekämpfung von HIV ist. Weitere Studien seien nötig, um ihre Sicherheit und Kosteneffektivität nachzuweisen sowie die Langzeitfolgen zu untersuchen. Als problematisch werten sie, dass es bei schlechter Compliance schnell zu Resistenzen kommen kann. (db)

 

doi: 10.1002/14651858.CD007189.pub3

 

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Foto: Fotolia/alexskopje