| Christina Hohmann-Jeddi |
| 01.04.2026 10:30 Uhr |
Astrozyten sind sternförmige Gliazellen, die eine Reihe von unterstützenden Funktionen für Nervenzellen haben. Sie sind die häufigste Zellart im Gehirn. / © Getty Images/Dr_Microbe
CAR-T-Zellen haben sich in der Onkologie längst etabliert. Dabei handelt es sich um T-Zellen, die gentechnisch so verändert werden, dass sie mithilfe von chimären Antigenrezeptoren (CAR) Tumorzellen erkennen und abtöten. Das gleiche Prinzip soll nun genutzt werden, um in die Alzheimer-Pathologie einzugreifen: CAR sollen Amyloid-Plaques erkennen und beseitigen. Erste Ergebnisse aus Tierversuchen mit dieser Methode stellten Forschende um Dr. Yun Chen von der Washington University School of Medicine in St. Louis, USA, Anfang März im Fachjournal »Science« vor.
Das Prinzip dahinter: CAR, die auf β-Amyloid (Aβ) abzielen, enthalten ein Anti-Aβ-Antikörperfragment und eine Phagozytose-Signaldomäne. Die CAR-Bauanleitung wird in ein Adeno-assoziiertes Virus (AAV) mit einem astrozytenspezifischen Promoter verpackt. Die AAV-Vektoren werden injiziert, woraufhin Astrozyten (spezielle Gliazellen) den CAR exprimieren. Diese Astrozyten beseitigen dann Aβ-Plaques, indem sie an Aβ binden und dann die Phagozytose aktivieren, die Plaques also »auffressen«.
Diese Methode testeten die Forschenden aus St. Louis bei gentechnisch veränderten Mäusen, die Amyloid-Plaques entwickeln. Sie verwendeten dabei zwei CAR: Einer enthält als Aβ-bindenden Anteil den Antikörper Crenezumab mit der phagozytischen Domäne von MEGF10 (Crene-Megf10), der andere Aducanumab mit der phagozytischen Domäne von Dectin1 (Adu-Dectin1). Die AAV-Vektoren mit den Bauanleitungen für die beiden CAR injizierte das Team einmal jungen Mäusen, bevor diese Plaques entwickelten, und einmal älteren Mäusen, die bereits Plaques aufwiesen.
Es zeigte sich, dass die jung behandelten Mäuse auch nach 2,5 Monaten noch plaquefrei waren. Bei den älteren Mäusen hatte sich die Amyloid-Last durch die Behandlung halbiert und die krankhaften Veränderungen der Nervenfortsätze (Dendriten und Axone) hatten sich reduziert.
»Diese Studie stellt den ersten erfolgreichen Versuch dar, Astrozyten so zu verändern, dass sie gezielt Amyloid-β-Plaques in den Gehirnen von Mäusen mit Alzheimer-Krankheit angreifen und entfernen«, sagte Seniorautor Professor Dr. Marco Colonna in einer Mitteilung der Universität. Astrozyten hatten die Forschenden als Ziel gewählt, weil sie sich leicht durch Vektoren transduzieren lassen und außerdem phagozytotisch aktiv sind. Die beiden CAR-Konstrukte unterschieden sich zum Teil in den nachgelagerten Effekten, berichten die Autoren um Chen. Während Crene-Megf10 hauptsächlich Astrozyten beeinflusste, führte Adu-Dectin1 zusätzlich zu einer Mikroglia-Aktivierung.
In Folgestudien plant das Team, das CAR-Design weiter zu optimieren, um Wirksamkeit und Sicherheit zu verbessern. Außerdem weisen die Autoren darauf hin, dass über andere CA-Rezeptoren auch Astrozyten erzeugt werden könnten, die Tumorzellen angreifen, um Gehirntumoren zu behandeln.