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Testphase
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Zahnärzte irritiert von E-Rezept-Ausstieg der Ärzte

Im Gegensatz zu den Ärzten in Schleswig-Holstein sehen die Zahnärzte keinen Grund dafür, das E-Rezept-Projekt auf Eis zu legen. Sowohl in Westfalen-Lippe als auch in Schleswig-Holstein wollen sie am Roll-out-Plan ab dem 1. September 2022 festhalten.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 24.08.2022  17:00 Uhr

Wie vorgesehen, wollen die Zahnarztpraxen mit dem E-Rezept Roll-out am 1. September 2022 in den Regionen Schleswig-Holstein und Westfalen-Lippe starten. Das teilten die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) und die Kassenzahnärztliche Vereinigung (KZV) Westfalen-Lippe am heutigen Mittwoch mit. Auch die Zahnarztpraxen in Schleswig-Holstein sind weiter dabei.

Offenbar haben die Zahnärzte kein Verständnis für den Ausstieg der Ärzte. Schließlich hat sich KZBV-Vize Karl-Georg Pochhammer zufolge an den Rahmenbedingungen, unter denen das E-Rezept in den Regionen Schleswig-Holstein und Westfalen-Lippe eingeführt werden soll, nichts geändert. »Es gab und gibt die E-Rezept-App der Gematik und den Ausdruck des E-Rezepts als sichere Übertragungswege für den E-Rezept-Token. Beide Wege sind mit dem Bundesbeauftragten für Datenschutz abgestimmt«, betonte er.

Zum Hintergrund: Am Montag hatte die Kassenärztliche Vereinigung in Schleswig-Holstein bekanntgegeben, sich aus Datenschutzgründen aus der Testphase zurückzuziehen. Eigentlich sollte die digitale Verordnung ab dem 1. September in den beiden Regionen Westfalen-Lippe und Schleswig-Holstein getestet werden. So hatte die Gesellschafterversammlung der Gematik beschlossen. Marit Hansen, die Landesbeauftragte für Datenschutz Schleswig-Holstein, hatte zwar grundsätzliche Bedenken bei der E-Rezept-Weiterleitung via Mail, SMS oder Smartphone-App angemeldet, hatte sich gegenüber der PZ aber auch überrascht über den radikalen Ausstieg der KV in Schleswig-Holstein gezeigt.

EGK als Übermittlungsweg forcieren

Als sinnvolle zusätzliche Variante für die E-Rezept-Übermittlung erachten die Zahnärzte den Einsatz der elektronischen Gesundheitskarte (EGK), insbesondere für jene Patienten, die ohne Ausdruck und App ihr E-Rezept in der Apotheke einlösen möchten. Daher fordern sie vom Bundesgesundheitsministerium (BMG) und der Gematik schnell eine Lösung dafür. Von dem Token als Papierausdruck wollen sie sich nämlich nach eigenen Angaben möglichst schnell verabschieden.

Vehement dagegen sind KZBV und KZV, wenn es um den ungeschützten Versand des E-Rezept-Tokens per E-Mail geht. »Die E-Mail war als sicherer Einlöseweg kein Bestandteil der Gematik-Spezifikationen für das E-Rezept«, begründete Michael Evelt, der stellvertretende Vorsitzende der KZV Westfalen-Lippe. Er hob außerdem noch einmal hervor, dass die Zahnarztpraxen darauf vertrauen könnten, dass sie das E-Rezept sicher abgeben, wenn sie den Token für ihre Patienten in der Praxis ausdruckten. Auch dieses Prozedere hatten die Ärzte im Norden zuletzt kritisiert und ebenfalls von den Ausdrucken abgeraten. Die Begründung: Es sei nicht die Aufgabe der Ärzte, die Apotheken zu entlasten.

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