Der Personalmangel im hausärztlichen Bereich in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg hält sich aktuell in Grenzen. / © Getty Images/Jose Luis Pelaez Inc
Aktuell gebe es in Schleswig-Holstein 1947 hausärztliche Stellen. 48,5 freie Stellen können derzeit besetzt werden. Das seien deutlich weniger als noch vor zwei Jahren. Im Januar 2025 seien es noch 59,5 freie Hausarztstellen gewesen, im April 2024 waren es 68,5 und 2023 sogar 76,5. »Damit konnten in den vergangenen zwei Jahren 20 Hausarztstellen in Schleswig-Holstein besetzt werden, was einem Rückgang an freien Stellen um etwa 30 Prozent entspricht«, erklärt der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH), Nikolaus Schmidt.
Man führe diese Entwicklung unter anderem auf eine als hervorragend bewertete Weiterbildung der Allgemeinmedizinerinnen und -mediziner zurück und auf die zwei wichtigen Lehrstühle an den Universitäten in Lübeck und Kiel.
In einigen 20 Planungsbereichen, darunter Kiel, Lübeck, Niebüll, Eutin, Neumünster oder auch Ratzeburg, liege der Versorgungsgrad sogar bei 110 Prozent und darüber. Diese Bereiche seien für Neuzulassungen gesperrt, sofern kein Sonderbedarf beantragt und festgestellt werde. Insgesamt sei der Bedarf in der Allgemeinmedizin am größten. Mangel herrsche in keinem anderen Facharztgebiet, erklärt Schmidt.
Nach Ansicht von Miriam Führ, der stellvertretenden Vorsitzenden des Hausärzteverbandes Schleswig-Holstein, werde sich der ärztliche Personalmangel in den nächsten Jahren aber auf alle Fälle dann verschärfen, wenn die Babyboomer in Rente gehen. Bei der Einstellung von Fachpersonal für ihre Praxen stünden die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte in Konkurrenz mit den Krankenhäusern. »Die Gehälter, die dort gezahlt werden, können wir nicht überbieten«, sagt Führ.
In dem Bundesland arbeiten derzeit 1.145 Hausärztinnen und Hausärzte, sagt der Vorsitzende des Hausärzteverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Stefan Zutz, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Diese Zahl liege auf dem Niveau des Vorjahres. Insgesamt lägen die Niederlassungszahlen seit über 10 Jahren auf konstantem Niveau.
Mitte Dezember weise der Stand der Bedarfsplanung demnach noch 47,5 nicht besetzte Stellen aus. Anfang 2025 seien es noch rund 80 offene Stellen gewesen. Der größere Anteil des Rückgangs sei auf eine Anpassung der Einwohnendenzahlen zurückzuführen. In Anbetracht der demografischen Entwicklung sei diese Stabilisierung bereits ein Erfolg. Auch das Durchschnittsalter des hausärztlichen Personals stabilisiere sich, sagt Sprecherin Grit Büttner.
Im Bundesvergleich sei die Zahl der niedergelassenen Hausärzte positiv, sagt Verbandsvorsitzender Zutz. Pro Hausärztin oder Hausarzt würden rund 1.149 Einwohner in Mecklenburg-Vorpommern versorgt. Das liege unter dem bundesweiten Durchschnitt von 1.264. Auch für die Jahre 2030 bis 2040 sei keine Unterversorgung im Bundesland prognostiziert. Gleichwohl seien aufgrund der dünnen Besiedelung im Flächenland die Wege zum ärztlichen Personal weiter.
In Hamburg arbeiten laut Kassenärztlicher Vereinigung Hamburg (KVHH) derzeit etwas weniger Hausärztinnen und Hausärzte als im Jahr zuvor. Waren es am 1. Juli 2024 demnach noch 1.315 Hausärztinnen und Hausärzte, so waren es ein Jahr später noch 1.307. Davon arbeiten einige Medizinerinnen und Mediziner in Teilzeit, deshalb liegt die Zahl der sogenannten Vollzeitäquivalente niedriger. Sie sank von 1.166,55 auf 1.142 in diesem Jahr.
Bei der Planung der ambulanten Versorgung stelle Hamburg nach der Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses eine einheitliche Planungsregion dar. »Alle Fachbereiche liegen statistisch gesehen im Bereich der Überversorgung«, sagt KVHH-Sprecherin Marthe Hartig.
Da es sich bei Stadtteil- und Bezirksgrenzen um willkürliche Grenzziehungen handele, die von Menschen im täglichen Leben überschritten werden, bilde eine kleinräumige Betrachtung – etwa auf Stadtteilebene – die Versorgungsrealität nie adäquat ab. Es müssten immer auch die umliegenden Stadtteile betrachtet werden.