»Die aktuellen Zahlen sind ein klares Alarmsignal für die Kommunen«, sagt Armin Hoffmann, Präsident der Apothekerkammer Nordrhein und der Bundesapothekerkammer. / © imago images/Kirchner-Media
Zum Stichtag 1. April versorgen noch 1.893 Apotheken die Menschen zwischen Niederrhein und Bergischem Land, wie die AKNR mitteilt. Zu Jahresbeginn seien es noch drei Apotheken mehr gewesen – sieben Schließungen stehen lediglich vier Neueröffnungen gegenüber. »Dieser Trend ist nicht neu, sondern hält seit mehr als 25 Jahren an. Dennoch bereitet uns die Entwicklung zunehmend Sorge«, beschreibt Armin Hoffmann, Präsident der Apothekerkammer Nordrhein und der Bundesapothekerkammer, die Lage.
In den vergangenen 15 Monaten hätten die Kommunen im Kammerbezirk Nordrhein insgesamt 47 öffentliche Apotheken verloren – ein Rückgang von 2,4 Prozent.
Um auf das »Apothekensterben« aufmerksam zu machen, schlossen die Apotheken am 23. März für einen Tag ihre Türen und protestierten in Berlin, München, Hannover und Düsseldorf. Mit dieser Aktion forderten sie die Bundesregierung und die Regierungsfraktionen dazu auf, die im Koalitionsvertrag vereinbarte Fixumserhöhung umzusetzen. Dieses liegt aktuell bei 8,35 Euro und soll auf 9,50 Euro erhöht werden. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat mehrfach betont, dass dies geschehen wird.
»Wir vertrauen darauf, dass die dringend notwendige Anpassung noch in diesem Jahr erfolgt. Denn eine sichere Arzneimittelversorgung vor Ort ist keine Selbstverständlichkeit«, so der Kammerpräsident. »Wer sie erhalten will, darf nicht an den Apotheken sparen. Gerade junge Kolleginnen und Kollegen brauchen verlässliche politische Signale, dass sich die Übernahme oder Gründung einer Apotheke auch künftig lohnt.«
»Der Begriff ›Apothekensterben‹ darf nicht zur Normalität werden«, so Hoffmann. Die aktuellen Zahlen seien ein klares Alarmsignal für die Kommunen. »Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern sowie Landrätinnen und Landräten sollten sich für die Situation vor Ort interessieren.« Apotheken würden den Menschen niedrigschwellige Hilfe bieten.
»Jede einzelne Schließung schwächt die Versorgungssicherheit«, betont Stefan Derix, Hauptgeschäftsführer der Apothekerkammer Nordrhein. »Die Wege – insbesondere im Nacht- und Notdienst – werden länger. Aktuelle Untersuchungen, die wir gemeinsam mit der Apothekerkammer Westfalen-Lippe durchgeführt haben, zeigen zwar, dass es derzeit noch in jeder Gemeinde in Nordrhein-Westfalen mindestens eine Apotheke gibt. Doch wie lange das so bleibt, ist ungewiss.«
Mit Blick auf die Vorschläge der Expertenkommission zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) mahnen Hoffmann und Derix, die Arzneimittelversorgung nicht zum Gegenstand weiterer Sparmaßnahmen zu machen. »Apotheken sind keine Kostenstelle, sondern ein unverzichtbarer Bestandteil der Gesundheitsversorgung. Einsparungen an dieser Stelle gefährden die Sicherheit der Patientinnen und Patienten«, so der Kammerpräsident.