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Software ebnet Weg in den Markt der Zukunft

Datum 30.06.1997  00:00 Uhr

- Wirtschaft & Handel

  Govi-Verlag

Software ebnet Weg in den Markt der Zukunft

  "Das, was da von der Politik angezettelt wird, ist kein Glasperlenspiel, das geht ans Eingemachte." Gewichtige Worte von Dr. Johannes Pieck, Sprecher der ABDA-Geschäftsführung, während des Eröffnungsreferats auf einer Veranstaltung von Lauer und Fischer am 21. und 22. Juni. Der Anbieter von Computerlösungen für Apotheken hatte Kunden und Interessenten übers Wochenende nach Bad Kissingen eingeladen, um den Startschuß für sein von Windows 95 gestütztes Softwarepaket Winapo zu geben.

Pieck informierte über aktuelle Geschehnisse in der Gesundheitspolitik. War nach seinen Aussagen der Gesetzgeber lange Zeit ein Partner der Apotheker, auf den man in grundlegenden ordnungspolitischen Dingen bauen konnte, so sei inzwischen Vorsicht geboten. "Das Bundesverfassungsgericht ist für uns ein glattes Parkett", so Pieck. Die Arzneimittelpreisverordnung (AMPreisV), aber auch die Apothekenpflicht seien heute keine unantastbare Feste mehr. Heute würde nur noch nach möglicher Kosteneinsparung gefragt. Gerade der Vorstoß des Landes Berlin, das sich mit seinem Antrag zur Änderung des Apothekengesetzes Einsparungen in ambulanten Stationen und Pflegeeinrichtungen verspricht, sei ein gutes Beispiel. Das Preisgefälle zwischen Waren aus Krankenhaus- und Offizinapotheke würde zur Provokation. Da jedoch die Arzneimittelkosten in der Krankenhausversorgung nur so gering gehalten werden könnten, wenn sie durch vergleichsweise hochpreisige Ware in den Offizinen ausgeglichen würde, sei noch nicht nachvollzogen worden.

Kompromiß ist Schadensbegrenzung

Pieck sieht mit dem Berliner Antrag eine neue Diskussion über die AMPreisV aufflammen. Der Marktanteil, der künftig in den Ambulanzen für die Offizinapotheke verlorenging, sei nicht mehr zurückzuholen. Deshalb sei der geschlossene Kompromiß zwischen ABDA und ADKA eine Schadensbegrenzung. Eine Abgabe an Dritte müsse vermieden werden. Käme jetzt die Arzneimittelversorgung der Altenheime auch noch ins Gespräch, so wären empfindliche wirtschaftliche Einbußen der öffentlichen Apotheke programmiert.

Die Krankenkassen ließen jede Kompromißbereitschaft in der Diskussion um die AMPreisV vermissen. Man wolle das ganze System ändern. Jeder Apotheker solle seine Preise mit den Kassen einzeln aushandeln. Laut Pieck bleibt so der von den Krankenkassen proklamierte freie Wettbewerb auf der Strecke, denn der Versicherer werde die dominierende Rolle einnehmen.

OTC-Markt wird zur tragenden Säule

Unter dem Titel "Überlebenskonzepte für die Apotheke" machte Ernst Georg Majer von der Unternehmensberatungsgesellschaft Ugema, Bonn, einen Ausblick in die Zukunft. Er prognostizierte der deutschen Apotheke eine glänzende Perspektive, wenn nur die richtigen Potentiale ausgeschöpft würden. "Sie haben gemeinsam eine gewaltige Marktmacht, aber es fehlt die Geschlossenheit." In einer einheitlichen Erscheinungsform müsse viel stärker auf die Kundenbedürfnisse eingegangen werden. Dabei sollte die Dienstleistung eine neue Position auf dem Markt schaffen.

Noch würden 70 bis 80 Prozent der Leistungen von der GKV bezahlt. Doch die Zukunft liege in der Selbstmedikation. Der OTC-Markt werde immer mehr zum Standbein der öffentlichen Apotheke. Ziel sei die Umkehr der Umsatzstrukturen vom Verschreibungs- zum OTC-Bereich. „Die deutsche Apotheke ist die größte Klagemauer. Man schlachtet eine Kuh und wundert sich, daß es keine Milch mehr gibt. Sie opfern gute Umsätze zu Lasten schlechter." Der Apotheker müsse sich künftig viel stärker um den Kunden bemühen.

Auch in Bezug auf Beratungsgespräche sei noch einiges aufzuholen. 94 Prozent aller Fragen in deutschen Apotheken werden geschlossen gestellt. Das sei für jede andere Branche das Todesurteil, aber noch hätte der Apotheker ja den Bremsfallschirm GKV dabei. Das gebe es bald nicht mehr.

Winapo soll beim Rationalisieren helfen

Um den Strukturwandel individuell erkennen und umsetzen zu können, sei ein Ressourcen-Management, bezogen auf Personal-, Flächen- und Kapitaleinsatz sowie Liquiditätsplanung dringend nötig. Majer verwies deshalb auf den Winapo-Manager von Lauer-Fischer der einen gezielten Zugriff auf wichtige betriebswirtschaftliche Daten ermögliche.

Das Windows 95-Produkt für EDV-Systeme wurde vom Apothekenrechenzentrum Haan (ARZ) und Lauer-Fischer gemeinsam entwickelt. Nach Aussagen des Veranstalters verknüpft der Manager die in der Kasse und den Warenwirtschaften beider Anbieter anfallenden Abverkaufs- beziehungsweise Bestelldaten zu betriebswirtschaftlichen Kennzahlen. In Tabellen und Grafiken werden Kriterien wie Umsatz, Rohgewinn, Kundenstruktur und Spannen ohne zusätzlich notwendige Eingaben dargestellt. Eine weitere Besonderheit des Managers ist laut Lauer-Fischer die Unterscheidung aller Kennzahlen für die Bereiche Offizin und Nicht-Offizin. Vorgestellt wurde in Bad Kissingen erstmalig die komplett neue, für Windows 95 entwickelte Apothekenbewirtschaftungssoftware. Sie soll Apotheker fit für eine erfolgreiche Zukunft machen.

PZ-Artikel von Ulrich Brunner, Bad Kissingen
   

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