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Interview im »Focus«
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Wirtschaftsweiser beklagt Geldverschwendung in der GKV

Der Wirtschaftsweise Martin Werding betrachtet den ungebremsten Ausgabeanstieg in der Kranken- und Pflegeversicherung mit Sorge. Innerhalb der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) werde Geld verschwendet, ohne dass die Versorgung besser werde. »Effizienzprobleme« im Gesundheitswesen müsse die neue Bundesregierung angehen. 
AutorCornelia Dölger
Datum 05.03.2025  10:32 Uhr

Die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) geht verschwenderisch mit Geld um. Dies beklagte der Wirtschaftsweise Martin Werding gegenüber dem »Focus«. Im Gesundheitswesen bestehe dringender Korrekturbedarf, so Werding. Die Ausgaben in der Kranken- und Pflegeversicherung stiegen derzeit »viel stärker als bei der Rente«. Auch die jüngste Krankenhausreform ändere daran nichts.

Werding kritisierte, im Gesundheitswesen bestünden »Effizienzprobleme«. Die neue Bundesregierung müsse diese angehen. Etwa müsse der Anstieg der Pharmakosten gebremst werden, forderte Werding, der seit 2022 Mitglied des Sachverständigenrates Wirtschaft ist. In der GKV werde »viel Geld verschwendet«, ohne dass sich dadurch »Versorgungsqualität und Gesundheit« für die Versicherten verbesserten.

Werding plädierte für mehr Wettbewerb im Gesundheitswesen. Denkbar seien etwa Netzwerke von Krankenkassen mit regionalen Arztpraxen und Krankenhäusern, um eine »gute Versorgung mit günstigen Kosten« zu gewährleisten. Dabei sei in Kauf zu nehmen, dass Kassen Versicherte verlieren, sofern sie diese Leistungen im Wettbewerb nicht anböten.

GKV-SV fordert Ausgabenmoratorium

Mit Blick auf höhere Lebenserwartungen sei eine längere Lebensarbeitszeit nötig, so Werding außerdem. Demnach müsse spätestens nach 2031 die Regelaltersgrenze angehoben werden. 

Angesichts der sich abzeichnenden politischen Einigung auf ein »Sondervermögen-Infrastruktur« sieht die GKV Möglichkeiten, die Ausgaben zu bremsen. »Wir brauchen dringend eine Bremse bei dem fortwährenden Ausgabenanstieg«, heißt es heute in einer Mitteilung des Verbands. Nötig sei ein Ausgabenmoratorium. »Das bedeutet: keine Preis- oder Honorarerhöhungen mehr, die über die laufenden Einnahmen hinausgehen. »

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