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Intensivmedizin
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Wie werden Brandopfer behandelt?

Bei dem verheerenden Feuer während einer Silvesterparty im Skiort Crans-Montana sind 40 Menschen gestorben, 116 wurden schwer verletzt. Da die Behandlung sehr aufwendig ist, wird ein Teil von ihnen auch in Deutschland behandelt.
AutorKontaktdpa
Datum 06.01.2026  16:45 Uhr

Hygienische Standards extrem hoch

Hinzu komme der Verlust der natürlichen Hautbarriere. Diese stelle eine Eintrittspforte für Keime dar, die zu einer Blutvergiftung führen könnten. »Das ist das, woran Patienten in den ersten Wochen am häufigsten sterben.«

Das Immunsystem sei bei Schwerbrandverletzten nahezu vollständig heruntergefahren. Um Infektionen zu vermeiden, würden die Patienten auf der Intensivstation in hermetisch abgeriegelten Einzelboxen behandelt. Die hygienischen Standards seien extrem hoch.

An der Versorgung sind zahlreiche Berufsgruppen beteiligt. Hochspezialisierte Pflegekräfte wechselten in kurzen Abständen aufwendige Verbände, reinigten großflächige Wunden und überwachten kontinuierlich die Körpertemperatur. Teams aus Psychologen betreuten Patienten und Angehörige, zudem beginne die Physio- und Ergotherapie bereits auf der Intensivstation.

Verbrannte Haut entfernen, gesunde Haut erhalten

Schwere Verbrennungen hätten massive Auswirkungen auf den gesamten Körper. Durch Entzündungsbotenstoffe und Stresshormone gerate der Stoffwechsel in einen extremen Ausnahmezustand. »Der gesamte Körper läuft auf Hochtouren«, erklärte Hundeshagen.

Dieser Zustand lasse sich nur beenden, indem verbrannte Haut chirurgisch entfernt werde. Dabei müsse radikal vorgegangen werden, gleichzeitig aber möglichst viel gesunde Haut erhalten bleiben. Dies sei entscheidend für die spätere Lebensqualität der Patienten.

In vielen Verbrennungszentren werde zunächst eine Kunsthaut eingesetzt, die als Unterhaut einwachse. Nach ein bis drei Wochen würden die Flächen dann mit körpereigenen Hauttransplantaten verschlossen.

Schwerbrandverletzte müssten häufig monatelange Krankenhausaufenthalte durchstehen. Als Faustregel gelte ein bis zwei Tage Klinikaufenthalt pro Prozent verbrannter Körperoberfläche. Eine lange Rehabilitationsphase schließe sich an. »Die Patienten sind massiv geschwächt und verlieren einen Großteil ihrer Muskelmasse«, sagte Hundeshagen. Oft hätten Betroffene noch über Jahre oder sogar lebenslang mit den Folgen zu kämpfen. Umso wichtiger sei eine ganzheitliche Nachbehandlung in spezialisierten Zentren.

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