Smartwatches können asymptomatische Herzrhythmusstörungen erkennen und Alarm geben. / © Adobe Stock/Andrey Popov
Handelsübliche Smartwatches können gefährliche Herzrhythmusstörungen einer Studie zufolge häufiger erkennen als herkömmliche medizinische Standardversorgung. Das teilte die Amsterdamer Universitätsklinik UMC zu einer jetzt im »Journal of the American College of Cardiology« veröffentlichten Analyse mit.
Untersucht wurde vor allem das Vorhofflimmern, die weltweit häufigste Herzrhythmusstörung. Sie tritt oft unregelmäßig auf und viele Betroffene spüren nichts davon. Das Forschungsteam um den Kardiologen Dr. Michiel Winter und die Doktorandin Nicole van Steijn untersuchte, ob tragbare Geräte (»Wearables«) wie eine Smartwatch dabei helfen können, solche Störungen früher und zuverlässiger zu entdecken als bisherige Methoden.
Beim Vorhofflimmern schlagen die Vorhöfe des Herzens unregelmäßig. Dies kann dazu führen, dass sich Blutgerinnsel - kleine Klumpen aus geronnenem Blut - im Herzen bilden. »Wenn diese Gerinnsel in das Gehirn wandern, können sie einen Schlaganfall verursachen«, sagte Winter. Da das Flimmern oft nur zeitweise auftritt (»paroxysmal«) oder der Patient keine Beschwerden hat (»asymptomatisch«), bleibt es bei Routineuntersuchungen beim Arzt oft unentdeckt.
Für die Studie, an der insgesamt 437 Patienten über 65 Jahre mit erhöhtem Schlaganfallrisiko teilnahmen, nutzte das Team Smartwatches. Die Hälfte der Teilnehmer trug sie sechs Monate lang täglich mindestens zwölf Stunden, die andere Hälfte erhielt die medizinische Standardversorgung ohne digitale Überwachung.
Zwei Funktionen der Smartwatch wurden verwendet: die optische Pulsmessung PPG (Photoplethysmographie) und ein einfaches EKG (Elektrokardiogramm) zur Aufzeichnung der elektrischen Herzströme. Während die Pulsmessung die Unregelmäßigkeiten nur vermuten lässt, ist das EKG notwendig, um die Diagnose Vorhofflimmern medizinisch zu bestätigen. Smartwatches mehrerer Hersteller bieten diese Funktionen.
In der Gruppe mit Smartwatch wurde Vorhofflimmern viermal häufiger entdeckt als in der Kontrollgruppe. Konkret wurde bei 21 Patienten mit Smartwatch eine Erkrankung diagnostiziert und behandelt. In der Vergleichsgruppe ohne Uhr waren es fünf. In der Gruppe ohne Uhr hatten alle fünf Patienten Symptome, sie gingen also zum Arzt, weil sie sich unwohl fühlten. In der Smartwatch-Gruppe war etwa die Hälfte der Patienten (57 Prozent) asymptomatisch – sie hatten keine Beschwerden und hätten ohne die Uhr vermutlich nicht erfahren, dass ihr Herz aus dem Takt geraten ist.