Nun also doch keinen Sport mehr machen? Professor Dr. Stephan Getzmann vom Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund hält die Methodik der Studie für plausibel und gut begründet. »Es ist eine sehr raffinierte Idee, die extrinsische Mortalität herauszurechnen«, sagt der Altersforscher im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Der Befund sei sehr spannend.
Auch die wie Getzmann nicht an der Studie beteiligten Altersforscher Professor Dr. Steve Hoffmann vom Leibniz-Institut für Alternsforschung in Jena und Dr. Chiara Herzog vom King's College London bewerten die Methodik als geeignet, um den erblichen Anteil zu berechnen. »Die Modellierungen der Forscher:innen sowie die Validierung anhand realer Daten zeigen überzeugend, dass frühere Studien die Vererblichkeit der Lebensspanne unterschätzt haben«, erklärt Herzog. »Die berichteten Werte einer Vererblichkeit der Lebensspanne von rund 50 Prozent sind zudem auch mit Ergebnissen aus Tiermodellen vereinbar, etwa aus Mausstudien. Eine Verdopplung gegenüber früheren Schätzungen erscheint daher plausibel.«
Heißt das nun also, man kann doch jeden Abend Chips essen, den Sport weglassen und auf die eigenen Gene hoffen? Nein, betont Getzmann. »Ob ich mit 80 noch fit bin, habe ich zu einem großen Teil selbst in der Hand.« Ziel sei es, resilientes Altern zu fördern und die Phase des Siechtums sehr kurz zu halten – und hierfür seien vor allem eine gesunde Lebensweise und Umweltfaktoren verantwortlich. Auch Hoffmann hält fest: »Die Ergebnisse dieser Arbeit werden mich definitiv nicht dazu bringen, wieder zu rauchen.«
Nun müsse man noch jene genetischen Varianten identifizieren, die der jeweiligen Lebenserwartung zugrunde liegen, schreiben die Studienautoren. Dies würde der Wissenschaft helfen, die grundlegenden Mechanismen des menschlichen Alterns zu verstehen.