| Annette Rößler |
| 06.01.2026 09:00 Uhr |
Menschen entscheiden sich meist für eine feste Partnerin oder Partner. Unter anderen Säugetieren ist Monogamie dagegen nicht so verbreitet. / © Getty Images/PeopleImages
Beziehungsmäßig steht der Mensch irgendwo zwischen dem Erdmännchen und dem Bieber. Seine engsten Verwandten in der Tierwelt, Schimpansen und andere Primaten, finden sich dagegen weitgehend am anderen Ende einer Rangliste wieder, die Dr. Mark Dyble, evolutionärer Anthropologe an der University of Cambridge in Großbritannien, erstellt hat: Die Monogamie-Ligatabelle bildet das Herzstück seiner Publikation im Fachjournal »Proceedings of the Royal Society: Biological Sciences«.
Monogamie, also die exklusive Verpartnerung zweier Menschen miteinander, ist heute in vielen Gesellschaften das am häufigsten gelebte Beziehungsmodell. Daneben existieren weitere Modelle, etwa die Polygynie (ein Mann hat mehrere Frauen), die in zahlreichen präindustriellen Gesellschaften noch immer üblich ist. Es ist daher Gegenstand von Diskussionen, wie monogam der Mensch von Natur aus tatsächlich ist.
Um dies zu untersuchen, wertete Dyble archäologische Funde und ethnografische Daten aus aller Welt dahingehend aus, wie hoch der Anteil der Vollgeschwister im Vergleich zu Halbgeschwistern war. Ein hoher Anteil an Vollgeschwistern, also an Geschwistern mit denselben beiden Elternteilen, bedeutet ein hohes Maß an Monogamie. Insgesamt betrachtete der Wissenschaftler knapp 200.000 Geschwisterpaare aus 103 verschiedenen menschlichen Gesellschaften und verglich diese Daten mit jenen von 34 Säugetierarten.
Trotz großer kultureller Unterschiede war der Mensch demnach alles in allem treuer als die meisten anderen Tiere. Mit einem Vollgeschwister-Anteil von 66 Prozent landete Homo sapiens auf Platz 7 der Monogamie-Ligatabelle hinter dem Biber (Castor fiber) mit 73 Prozent und vor dem Weißhandgibbon (Hylobates lar), der sich mit 64 Prozent als einer von wenigen Primaten außer dem Menschen als monogam einstufen ließ. Hinter dem Weißhandgibbon rangiert mit 60 Prozent Vollgeschwister-Anteil das Erdmännchen (Suricata suricatta).
Die meisten anderen Primaten zeigen dagegen ein polygynes oder polygynandrisches (beide Partner haben verschiedene andere Partner) Fortpflanzungsverhalten: So kommen etwa Berggorillas auf eine Vollgeschwister-Rate von 6 Prozent und Schimpansen von 4 Prozent. »Vor dem Hintergrund der Fortpflanzungsmuster unserer engsten lebenden Verwandten, etwa Schimpansen und Gorillas, hat sich die menschliche Monogamie wahrscheinlich aus nicht monogamen Gruppen entwickelt – ein Übergang, der unter Säugetieren äußerst ungewöhnlich ist«, erklärt Dyble.
Es gebe nur wenige andere Tiere mit einem ähnlichen evolutionären Shift, darunter bestimmte Wolf- und Fuchsarten, die wie der Mensch einen hohen Grad an kooperativer Fürsorge in der Gruppe entwickelt haben. Forschungsergebnisse legten nahe, dass eine eusoziale und kooperative Nachwuchspflege sich eher bei monogamen Species entwickelt hätten, so Dyble in der Originalpublikation.
Welche ist nun aber die treuste aller Tierarten? Auf Platz 1 der Liste mit einer Vollgeschwister-Rate von 100 Prozent steht die Kalifornische Maus (Peromyscus californicus), die lebenslange, stabile Partnerschaften eingeht. Das Schlusslicht der Tabelle bildet das schottische Soay-Schaf (Ovis aries) mit lediglich 0,6 Prozent Vollgeschwister-Anteil.