Ein Herzinfarkt tritt meist unvermittelt auf und hinterlässt körperliche und mentale Spuren. Doch es gibt Hilfsangebote, sodass Betroffene nicht allein mit den Folgen klarkommen müssen. / © Adobe Stock/michaelheim
Ein Herzinfarkt ist ein einschneidendes Erlebnis – und hinterlässt oft eine massive Verunsicherung bei den Betroffenen. Angesichts der eigenen Sterblichkeit lässt ein solch unvermittelt eintretendes Ereignis Betroffene zweifeln und das Vertrauen in Körper und Gesundheit verlieren
»Diese Plötzlichkeit erschüttert natürlich das Selbstvertrauen in den Körper«, sagt Professor Dr. Christiane Tiefenbacher, Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung. »Viele unserer Patienten kommen nach einem Herzinfarkt nochmal wieder und haben Empfindungsstörungen wie Stiche oder ein Brennen im Brustkorb«.
Dass so ein lebensbedrohliches Ereignis in der Psyche nachwirkt, beobachtet auch die psychologische Psychotherapeutin Franziska Kolorz vom Deutschen Herzzentrum der Berliner Charité. Ein Vertrauensverlust in den eigenen Körper betrifft ihr zufolge beinahe alle Infarkt-Patientinnen und Patienten.
»Angst vor einer potenziell lebensbedrohlichen Situation ist normal und gesund«, sagt Kolorz. Dieses Gefühl kann aber auch nützlich sein: Betroffene sind dadurch motiviert, sich an die neue Situation anzupassen und etwa auf einen gesunden Lebensstil zu achten. Doch wann nehmen die Ängste überhand?
Entscheidend ist der persönliche Leidensdruck. »Fragen Sie sich: Wie sehr leiden ich und mein Umfeld unter meinen Ängsten?«, rät Professor Dr. Katharina Schmitt. Sie ist Kardiologin und Ärztliche Leitung der Psychokardiologie am Deutschen Herzzentrum der Charité. Die Psychokardiologie beschäftigt sich mit den Wechselwirkungen von Herz und Psyche.
Dreht sich alles nur noch um die Angst? Leiden Beziehungen darunter? Kann man kaum arbeiten gehen oder das Haus verlassen? All das sind Warnsignale. Dann ist es sinnvoll, sich psychotherapeutische oder psychokardiologische Hilfe zu suchen.
Katharina Schmitt empfiehlt außerdem, Tagebuch über das eigene Wohlbefinden zu führen. Monatsweise können Patienten dann vergleichen, ob es ihnen psychisch besser geht. Ist keine Veränderung aus den Aufzeichnungen abzulesen oder gar eine Verschlechterung, ist das ebenfalls ein Hinweis darauf, dass der Vertrauensverlust überhandgenommen hat.