| Jennifer Evans |
| 19.02.2026 07:00 Uhr |
Ist ihr Kind akut erkrankt, suchen Eltern oft die Notaufnahme auf. Bringt ihr Instinkt dem Fachpersonal aber einen diagnostischen Mehrwert? / © Adobe Stock/Kzenon
Für die pädiatrische Notfallversorgung ist entscheidend zu wissen, wie ernst es um ein Kind steht. So können Ärztinnen und Ärzte schnell handeln und passende Behandlungen einleiten. Doch wie sicher beurteilen Eltern Symptome oder den Allgemeinzustand ihres Kindes?
Um das zu klären, untersuchten Forschende aus Finnland 2375 Eltern-Kind-Paare, die eine Notaufnahme aufsuchten. 567 Kinder erfüllten später die Kriterien für eine schwere Erkrankung. Dazu zählten unter anderem eine stationäre Behandlung von mehr als 24 Stunden, ein chirurgischer Eingriff, eine intravenöse oder nasogastrale Flüssigkeitszufuhr, eine Sauerstoffsättigung unter 93 Prozent oder ein anaphylaktischer Schock. Auch Vergiftungen oder die Notwendigkeit, inhalative Medikamente einzusetzen, waren für die Bewertung relevant.
Die Auswertung im Fachjournal »JAMA Network Open« ergab: Eltern, die mäßig oder stark besorgt waren, erkannten schwere Erkrankungen mit einer hohen Sensitivität von 91 Prozent, allerdings mit einer geringen Spezifität von nur 17,5 Prozent. Das bedeutet, sie konnten weniger gut beurteilen, wie sich dieser Zustand bei ihrem Kind konkret äußert. Grundlage war ein Fragebogen, den sie direkt nach der Ankunft in der Notaufnahme ausfüllten.
Auch ein maschinelles Lernmodell, das in der Studie zum Einsatz kam, identifizierte die elterliche Besorgnis, ihre Einschätzung zum allgemeinen Zustand des Kindes sowie zur Notwendigkeit einer Behandlung als die stärksten Prädiktoren für eine Krankenhauseinweisung.
Die Studie hebt zudem die Grenzen digitaler Triage-Tools hervor, mit der Mediziner die Dringlichkeit einer Behandlung einschätzen. Maschinelles Lernen liefere nur dann verlässliche Hinweise, wenn die zugrunde liegenden Daten solide seien, heißt es. Eine besondere Herausforderung war darüber hinaus, schwere akute Erkrankungen kleiner Kinder unter zwei Jahren einzuschätzen – sowohl für die Eltern als auch für die Algorithmen. Häufig beginnen diese Leiden mit unspezifischen Symptomen, bevor sie sich zu einem lebensbedrohlichen Zustand entwickeln.
Die Forschenden betonen, dass das Bauchgefühl von Mutter oder Vater zwar als hilfreiches Warnsignal für akute Erkrankungen dienen kann. Doch sie weisen ebenfalls darauf hin, wie diese Stärke nachlässt, sobald die Eltern zu viele oder zu komplexe Fragen beantworten müssen. Elterliche Sorge könne daher kein eigenständiges Entscheidungsinstrument für stark frequentierte Notaufnahmen sein, betonen sie. Und sie ersetze keine klinischen Untersuchungen und objektiven Messungen durch medizinisches Fachpersonal.