Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Psychische Gesundheit
-
Wie geht es Studierenden wirklich?

Am 1. März ist ein neues Projekt gestartet, das die psychische Gesundheit von Studierenden in Deutschland untersucht. Ziel ist es, Risiken früh zu erkennen und herauszufinden, welche Maßnahmen die Resilienz von Studentinnen und Studenten besonders gut stärken, und Programme an Universitäten entsprechend anzupassen.
AutorKontaktPZ
Datum 02.03.2026  08:00 Uhr

In Deutschland studieren fast drei Millionen Menschen. Ein nicht unerheblicher Teil von ihnen berichtet über psychische Belastungen. Wie das Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit (DZPG) im Januar berichtete, deuteten bisherige Daten darauf hin, dass »in einzelnen Fachbereichen« etwa ein Viertel der Studierenden an depressiven Symptomen und rund ein Drittel an Angststörungen leidet.

Aktuelle Daten fehlen jedoch oft oder weißen Lücken auf, wie Professor Dr. Oliver Tüscher, Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik an der Universitätsmedizin Halle, erklärt. »Psychische Belastungen unter Studierenden nehmen seit Jahren deutlich zu, mit teils gravierenden Folgen für den Studienerfolg, das Wohlbefinden und die Funktionsfähigkeit des Hochschulsystems. Die internationale Datenlage ist lückenhaft.« Eine Übersicht für den deutschen Bildungssektor fehle vollständig. Bisherige Untersuchungen seien zudem schwer vergleichbar, nicht aktuell und berücksichtigten oft nur bestimmte Fächergruppen. 

Neue Erkenntnisse zur psychischen Gesundheit von Studierenden, zu Stressoren und Resilienzfaktoren soll nun ein neuer Forschungsverbund innerhalb des DZPG liefern.  Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) fördert ihn mit rund 730.000 Euro. Gemeinsam mit Professor Dr. Stefan Watzke, dem Leiter der Medizinischen Psychologie der Universitätsmedizin Halle, koordiniert Tüscher den neuen Forschungsverbund.

»Die im Rahmen der Projekte erhobenen Daten und die darauf aufbauenden Maßnahmen sollen Studierenden, Schüler:innen und Auszubildenden zugutekommen. Das Vorhaben zielt darauf ab, die psychische Gesundheit langfristig zu stärken, indem Risikofaktoren aufgedeckt und die Resilienz durch passende Maßnahmen gefördert wird. Auf diese Weise sollen Ausbildungsabbrüche reduziert und junge Menschen besser auf eine zunehmend komplexe Arbeitswelt vorbereitet werden«, fasst Watzke die Ziele des Forschungsvorhabens zusammen.

Die Forschenden knüpfen dabei an bisherige Arbeiten an. Zunächst werden internationale wissenschaftliche Studien systematisch ausgewertet und mit umfangreichen Versorgungsdaten der gesetzlichen Krankenversicherungen sowie des Deutschen Jugendinstituts zusammengeführt. Ein Aspekt ist dabei beispielsweise die Rolle von Sport als Mittel, um Stress und Ängste zu reduzieren.

Insgesamt umfasst das Projekt 13 Teilvorhaben und findet in enger Zusammenarbeit mit Studierendenvertretungen und dem Trialogischen Zentrumsrat des DZPG statt.

An dem Forschungsvorhaben sind mehrere Einrichtungen beteiligt: die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, das Leibniz-Institut für Resilienzforschung in Mainz, die Technische Universität Braunschweig, das Deutsche Jugendinstitut, die Ludwig-Maximilians-Universität München, die Charité – Universitätsmedizin Berlin, das Leibniz-Institut für Arbeitsforschung in Dortmund, das Universitätsklinikums Jena sowie das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. 

Mehr von Avoxa